Universitäten : Doppelter Präsident für die Humboldt-Uni

Soll HU-Präsident Christoph Markschies sein Amt schon deutlich vor dem Auslaufen der regulären Amtszeit Ende des Jahres aufgeben? Das fordert jetzt die CDU - Wissenschaftssenator Zöllner widerspricht nicht.

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Öffentlich hat jetzt der Berliner CDU-Abgeordnete Nicolas Zimmer Markschies aufgefordert, den Weg für seinen Nachfolger frei zu machen, sobald dieser gewählt ist. „Markschies soll früher abtreten“, zitiert die „taz“ Nicolas Zimmer (Freitagsausgabe). Zimmer befürchtet, es könnte potenzielle externe Kandidaten abschrecken, noch monatelang nach der Wahl nur als Zweitpräsident neben Markschies Einfluss nehmen zu können: „Wenn der Nachfolger bereits jetzt schon nebenbei an der Humboldt-Universität arbeiten soll, dann schließt das so gut wie jeden externen Kandidaten aus. Entweder man ist ganz Präsident oder gar nicht.“ Um dem Theologieprofessor Markschies das deutlich zu machen, zitiert Zimmer die Bibel: „Eure Rede aber sei: ja, ja; nein, nein.“

So deutlich wird Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) nicht. Aber Widerspruch klingt anders. Auf Nachfrage verweist Zöllner auf die „großen Herausforderungen“, vor denen die HU stehe, zumal im Exzellenzwettbewerb. Er sei sich sicher, „dass auch insbesondere mit Herrn Markschies, wenn sein Nachfolger feststeht – und nur dann ist es möglich und sinnvoll –, eine einvernehmliche Lösung im Sinne der HU gefunden wird“. Und Zöllner fügt hinzu: „Deshalb ist es gut, dass sich die HU für einen frühen Wahltermin entschieden hat.“

Markschies aber plant keineswegs, bald nach der Wahl sein Amt aufzugeben, wie seine Sprecherin Mirja Behrendt auf Anfrage erklärt: „Er ist bis zum Ende des Jahres gewählt und macht auch bis zum Ende des Jahres weiter. Das ist mit dem Kuratorium so abgesprochen.“

In Uni-Kreisen geht man davon aus, dass die Findungskommission der Hochschule schon bald mindestens einen, vielleicht auch zwei bis drei interessante Kandidaten präsentieren wird. Die Wahl, die eigentlich schon zum Semesterende im Februar vorgesehen war, könnte dann am 20. April stattfinden. Als Bewerber aus den eigenen Reihen gilt bereits der Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Oliver Günther. Auf den Fluren der HU werden aber auch andere Namen gehandelt: Jutta Allmendinger, die Präsidentin des Wissenschaftszentrums, Sabine Kunst, die Präsidentin der Uni Potsdam, oder Johanna Wanka, die ehemalige Brandenburger Wissenschaftsministerin (CDU). Manche Humboldtianer würden sich freuen, wenn Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, ihre Uni leiten würde.

„Ich erwarte nicht, dass Markschies sich formell an sein Amt klammern wird“, sagt ein Professor. Es werde zu einer Aufgabenteilung kommen: Der neue Präsident werde „alle strategischen Dinge machen“, während sich Markschies auf repräsentative Aufgaben im Rahmen des großen Jubiläumsjahres der Berliner Wissenschaft beschränke. Wie man das „im Detail“ regele, sei aber noch unklar. Möglicherweise werde Markschies nach der Wahl seines Nachfolgers als eine Art „Ehrenpräsident“ fungieren, während sein Nachfolger bereits formell das Amt des Präsidenten übernehme.

Eine solche Aufgabenteilung kann sich ein anderer Professor nicht vorstellen: „Einen dekorativen Präsidenten und einen operativen Präsidenten – das wird es nicht geben.“ Markschies werde selbst bemerken, wenn sein Rückzug gefordert ist. Notfalls werde man Druck ausüben. So denkt auch ein weiteres Mitglied der HU: „Da mache ich mir keine Sorgen.“ Ein anderer Kenner der HU kann sich allerdings nicht vorstellen, dass Markschies aus dem Amt gedrängt wird: „So was hat die HU noch nie gemacht.“

Auch Anja Schillhaneck, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, sagt, dass nach der Wahl „ein Präsident und ein Nebenpräsident gemeinsam regieren, geht überhaupt nicht“. Falls Markschies tatsächlich bereit sei, früher abzutreten, solle er das daher so schnell wie möglich ankündigen. Schillhaneck fordert, potenzielle Kandidaten und deren Zukunftsplanung für die HU öffentlich zu diskutieren. Es sei undemokratisch, wenn das allein in Hinterzimmern geregelt werde.

Lars Oberg, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, will sich der Aufforderung Zimmers, Markschies solle sich schon bald zurückziehen, nicht anschließen: „Wir sprechen gerne von der Autonomie der Hochschulen, gerade auf der konservativ-liberalen Seite des Parlaments. Daher erstaunt mich, dass Herr Zimmer Herrn Markschies auf einmal solche Tipps gibt. Ich halte mich aus solchen Dingen raus“, sagte Oberg.

An der HU allerdings sind manche der Meinung, dass die Universität den Termin für die Wahl nicht umsonst so weit nach vorne gezogen hat. Von der oder dem Neuen wird nämlich insbesondere ein deutlicher Einfluss auf das Zukunftskonzept für den Exzellenzwettbewerb erwartet. Markschies war mit seinem Entwurf in der ersten Runde gescheitert und gilt bei vielen auch sonst als führungsschwach. Seine Wiederwahl wäre deshalb unwahrscheinlich gewesen. Markschies selbst hat seinen Verzicht auf eine zweite Kandidatur damit begründet, sich wieder mehr der Forschung widmen zu wollen.

Eine Task-Force von HU-Professoren arbeitet bereits am Zukunftskonzept. Allerdings meinen einzelne Professoren auch, die Uni sollte sich in der prestigeträchtigen dritten Förderlinie nicht wieder bewerben. Sie befürchten, dass die HU in der Vorbereitung bereits so weit hinterherhinkt, dass sie im Wettbewerb chancenlos ist. Anderen gefällt das Ziel des Wettbewerbs nicht, die Hochschullandschaft auszudifferenzieren. Die Entscheidung über die nächsten Exzellenzunis fällt im Juni 2012. Die Antragsskizzen werden im kommenden September eingereicht. Hochschulen, die bereits zur Elite-Uni gekürt wurden, haben damit bis zum September 2011 Zeit. So wie die Freie Universität, die ebenfalls einen neuen Präsidenten sucht und am 12. Mai wählen will.

Wer auch immer an der Humboldt-Universität Präsident wird: Er oder sie soll an der Entscheidung über die Vizepräsidenten mitwirken dürfen. Alle drei (vielleicht auch vier, wenn das abgeschaffte Ressort Internationales wieder eingeführt wird) werden neu gewählt. Die Amtszeit des Vizepräsidenten für Haushalt, Frank Eveslage, endet ohnehin im Sommer, offenbar will Eveslage auch nicht wieder kandidieren. Und anders als Markschies sind die Vizepräsidenten Uwe Jens Nagel und Michael Linscheid dem Vernehmen nach bereit, schon vor dem Ende ihrer Amtszeit auszuscheiden, um dem oder der Neuen Einfluss auf die Wahl des Leitungsteams zu geben. Anja Kühne/Tilmann Warnecke

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