Universitäten : Signal für mehr Professorinnen

04.09.2008 00:00 UhrVon Anja Kühne

Seit Jahren entwickelt sich die Zahl von Professorinnen in Deutschland kaum. Allerdings wächst die Einsicht, dass die Unterrepräsentanz von Frauen der Wissenschaft schadet. Denn mit – oft unbewussten – Mechanismen halten sich die Männer Konkurrentinnen vom Leibe. Die Politik belohnt nun die Unis für Gleichstellung.

Mit einem Professorinnenprogramm wollen Bund und Länder deshalb nachhelfen. Hochschulen, die gute Gleichstellungskonzepte vorweisen können, werden dafür belohnt: Sie können über fünf Jahre bis zu drei Professorinnen aus dem Bund-Länder-Programm finanziert bekommen, das insgesamt einen Umfang von 150 Millionen Euro hat. Jede Professur wird vom Bund und vom Sitzland mit maximal 150 000 Euro jährlich bezuschusst. „Allein durch Appelle wird es keine Weiterentwicklung der Chancengerechtigkeit geben, es müssen verbindliche Strukturen geschaffen werden“, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Mittwoch in Berlin bei der Präsentation der Ergebnisse der ersten von zwei Ausschreibungsrunden.

Teilgenommen haben 113 Hochschulen, was etwa einem Drittel aller deutschen Hochschulen entspricht. Von diesen konnten 79 die Expertenkommission mit ihren Gleichstellungskonzepten überzeugen. Aus Berlin waren alle Antragsstellerinnen siegreich: die TU, die FU, die HU, die Charité, die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW), die Fachhochschule für Wirtschaft (FHW) und die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR). Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner sagte, diese Hochschulen hätten erkannt, dass die Förderung von Frauen das wissenschaftliche Potential stärke.

Das erfolgreichste Bundesland war Niedersachsen. 14 Hochschulen reichten ein Gleichstellungskonzept ein, das die Gutachter überzeugte. Nordrhein-Westfalen brachte zwölf Hochschulen durchs Ziel, Bayern neun und Baden-Württemberg sieben. Erfolgreich war auch Brandenburg mit fünf Hochschulen, darunter die Uni Potsdam und die FH Potsdam.

Das einzige Land, das noch kein ausgereiftes Gleichstellungskonzept einreichen konnte, ist Sachsen: Von fünf Anträgen fielen alle durch – sie müssten ihre Maßnahmen noch stärker „fokussieren“, sagte Susanne Baer, Professorin an der HU, die die Auswahlkommission geleitet hatte. Besonders gut hätten den Experten Konzepte gefallen, deren Gleichstellungsmaßnahmen durchgängig alle Bereiche der Hochschule umfassten, etwa als Bestandteil des Qualitätsmanagements. Das sei sieben Hochschulen besonders gut gelungen: den Unis in Hamburg, Kassel und Trier, der TU Braunschweig und der FH für angewandte Wissenschaft und Kunst (Niedersachsen).

Die positiv begutachteten Hochschulen können sich jetzt um die Finanzierung von bis zu drei Professuren für erstberufene Wissenschaftlerinnen bewerben. Allerdings können nur bis zu 140 Professorinnen gefördert werden. Hochschulen steigern also womöglich ihre Chancen, wenn sie ihre Berufungsverfahren besonders zügig gestalten und so langsameren Einrichtungen zuvorkommen.

Angesichts der Anstrengungen vieler Hochschulen bei der Gleichstellung nannte es Schavan „enttäuschend“, dass die außeruniversitären Institute den unlängst von der DFG beschlossenen Gleichstellungsstandards nicht beigetreten sind. „Ich halte die Standards nicht für unzumutbar“, sagte Schavan auf Nachfrage. Maßnahmen von Bundesseite plant die Ministerin aber nicht. Man werde ja sehen, wie lange die außeruniversitären Einrichtungen es sich leisten könnten, den DFG-Standards nicht beizutreten, sagte Schavan. Anja Kühne

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