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Universitäten : Zentrale Hochschulzulassung soll verschoben werden

Der Start des bundesweiten Bewerbungssystems für zulassungsbeschränkte Studiengänge soll verschoben werden. Studienbewerber müssen sich weiter aufwändig an mehreren Hochschulen bewerben.

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Der Hörsaal ist das Ziel.
Der Hörsaal ist das Ziel.Foto: dapd

Die Stiftung für Hochschulzulassung, die das Onlineportal „Hochschulstart“ betreibt, empfiehlt das Verschieben des Starts des bundesweiten Bewerbungssystems. Die Freischaltung der Plattform war für Mitte Mai geplant, doch wegen technischer Probleme sollen die Hochschulen jetzt mit ihren eigenen Bewerbungsportalen arbeiten.

Für die Studienbewerber bedeutet dies, dass sie sich weiterhin aufwendig an mehreren Hochschulen bewerben müssen. Wer nicht auf Anhieb einen Platz bekommt, muss oft bis kurz vor Semesterstart auf eine Zusage warten. Denn wegen der Mehrfachbewerbungen müssen die Hochschulen zunächst klären, welche Plätze für Nachrückverfahren zur Verfügung stehen. Gleichwohl bleiben Semester für Semester Studienplätze unbesetzt. Das zentrale Vergabeverfahren sollte dieses Studienplatzchaos beenden, zumal mit der Aussetzung der Wehrpflicht und doppelten Abiturjahrgängen immer mehr Bewerber an die Hochschulen drängen.

Geplant sei eine Verschiebung von „Hochschulstart“ um ein Jahr, sagt der Präsident der TU Berlin, Jörg Steinbach, der im Stiftungsrat sitzt. „Aus Verantwortung gegenüber den Bewerberinnen und Bewerbern sowie gegenüber den Hochschulen“ werde empfohlen, „den Start zu verschieben“, heißt es in der Beschlussvorlage der Stiftung, die dem Tagesspiegel vorliegt. Die Schnittstelle zwischen zentraler Software und Hochschulen funktioniere nicht, Probleme gebe es auch bei der technischen Betreuung (Support) und beim Datenschutz.

Das Fazit der Stiftung lautet, dass „eine rechtzeitige und stabile Anbindung der Hochschulen für das Wintersemester 2011/12 nicht mehr als realisierbar angesehen wird“. Zeitdruck und Unsicherheit über die technischen Rahmenbedingungen ließen „die Akzeptanz seitens der Hochschulen schwinden“. Für Unmut sorgte auch, dass die zentrale Software zunächst nur für Studiengänge mit einem Fach freigeschaltet werden sollte. Ulla Burchardt (SPD), Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, wirft dem Stiftungsrat mangelhaftes Management vor, er habe die Problematik der Schnittstellen offenbar vernachlässigt.

Klaus Landfried, der frühere Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, nannte den verschobenen Start „eine Blamage hoch fünf“. Die Folgen würden auf dem Rücken der Studienbewerber ausgetragen. Dass es Probleme geben werde, habe sich schon vor Jahren abgezeichnet: „Wer konnte ernsthaft glauben, die unterschiedlichen Software-Programme in den Hochschulen könnten schnell mit der schon in sich selber nicht immer stabilen T-Systems-Software erfolgreich abgestimmt werden?“, fragt Landfried.

Er fordert den Bund auf, „die nach seiner hochschulpolitischen Kastration“ durch die Föderalismus-Reform von 2006 noch verbliebene Zuständigkeit für die Hochschulzulassung zu nutzen: „In nur sechs Wochen könnte es ein Gesetz geben“, sagt Landfried. Der Bund solle das Verfahren der ZVS in Zeiten des Studierendenandrangs für drei bis vier Jahre wieder einführen: „Das war fairer zu den Studis als das jetzige Chaos.“ Die Bewerber in übernachgefragten Fächer, also zwei Drittel aller Bewerber, sollten von der einstigen ZVS-Behörde, die mittlerweile in die „Stiftung für Hochschulzulassung“ umgewandelt wurde, bundesweit verteilt werden. In der Zwischenzeit könnten die technischen Probleme gelöst werden. Landfried wirft den Ländern vor, ihren Hochschulen nicht von Anfang an eine einheitliche Software, etwa die des Hochschulinformationssystems (HIS), vorgeschrieben zu haben: „Die Länder sind in ihrer föderalistischen Eitelkeit nicht zu überbieten.“ Auch dürften die Länder es nicht hinnehmen, wenn Hochschulen sich weigerten, an dem neuen System teilzunehmen.

Unis in NRW hatten schon in der vorigen Woche angekündigt, im April ihre hochschuleigenen Bewerberportale freizuschalten und nicht auf „Hochschulstart“ zu warten. Die Berliner Hochschulen seien grundsätzlich für die Einführung des neuen Systems, sagt TU-Präsident Steinbach. „Wenn dieses Verfahren richtig funktioniert, bringt es große Vorteile für Studierwillige und Universitäten.“

Formal müssen die Länder der empfohlenen Verschiebung noch zustimmen. Die im Stiftungsrat vertretenen 16 Wissenschaftsministerien und 16 Hochschulpräsidenten sollen sich bis zum heutigen Dienstagnachmittag zu der Beschlussvorlage äußern. Dass alle für einen späteren Start votieren, liege auf der Hand, heißt es aus den Ländern. Es sei nicht zu verantworten, ein nicht ausgereiftes System einzusetzen. Amory Burchard/Anja Kühne

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