Universitätsmedizin : Charité ohne Bundeshilfe?

Eigentlich sollte der Bund die Berliner Charité unterstützen. Jetzt sagt der Staatssekretär der Bundeswissenschaftsministerin, dass es derzeit keine konkreten Pläne gibt.

Hat der Bund seine Pläne für die Charité auf Eis gelegt? Diesen Eindruck scheint Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär bei Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU), zu erwecken: „Die Bundesregierung hat derzeit keine konkreten Pläne, eine etwaige neue Kooperation zwischen der Charité-Universitätsmedizin Berlin und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch zu unterstützen“, schreibt Braun in einem Brief vom 28. September an den SPD-Abgeordneten Swen Schulz. Schulz hatte sich erkundigt, wie es mit Schavans Vorschlägen vom Frühjahr weitergeht. Er fordert den Bund nun auf, „in die Puschen zu kommen“. Erst vor einem Monat hatte die Berliner CDU vorgeschlagen, der Bund solle sich über eine Stiftung finanziell an der Charité beteiligen.

Brauns Schreiben klingt nun zwar so, als würde aus dem Projekt in dieser Legislaturperiode nichts mehr. Allerdings heißt es aus dem Bundesministerium, die Betonung in Brauns Brief müsse auf „derzeit“ und „konkret“ gelegt werden. In anderen Worten: Die Pläne sind keineswegs eingefroren.

So sehen es offenbar auch die beteiligten Berliner Einrichtungen. Sie reagieren gelassen. Aus der Senatsverwaltung für Wissenschaft heißt es lediglich, über das von Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner in der Vergangenheit zu dem Thema Gesagte hinaus gebe es „derzeit nichts Weiteres“ mitzuteilen. Auch die Charité verweist auf ihre Mitteilung vom Mai, die noch immer Gültigkeit habe. Darin hatte Charité-Chef Karl Max Einhäupl die Pläne freudig unterstützt. FU-Präsident Peter-André Alt, der sich gerade in Istanbul aufhält, erklärte auf Anfrage, das Projekt sei seiner Kenntnis nach „nicht gestorben und weiter attraktiv“. Aus der Humboldt-Universität war am Donnerstag keine Stellungnahme zu erhalten.

Warum Braun den Brief so apodiktisch formuliert hat, ließ sich am Donnerstag nicht ergründen. Vielleicht gefallen der Bundesregierung die Koalitionsgespräche der Berliner SPD mit den Grünen nicht. Vielleicht handelt es sich um ein Ablenkungsmanöver.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben