Unterart : Der dritte Elefant

Erbgutanalysen zeigen: In Afrika leben zwei verschiedene Arten der Dickhäuter. Die Parallelen in der Entwicklung von Mensch und Elefant verblüffen.

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Der Waldelefant hat mit dem Steppenelefanten nichts gemein.
Der Waldelefant hat mit dem Steppenelefanten nichts gemein.Foto: A. Schaefer

Generationen von Schulkindern haben zwar gelernt, dass es einen afrikanischen und einen asiatischen Elefanten gibt und wie man sie unterscheidet. Doch nun haben Biologen das Erbgut lebender und toter Rüsseltiere untersucht und bestätigt, was seit einigen Jahren vermutet wurde: Es gibt in Wirklichkeit zwei Arten afrikanischer Elefanten, die verwandtschaftlich so weit voneinander entfernt sind wie Mammut und asiatischer Elefant.

Die Parallelen in der Entwicklung von Mensch und Elefant verblüffen: Vor sechs oder sieben Millionen Jahren trennten sich sowohl die asiatischen Elefanten von ihren afrikanischen Kollegen, wie auch die Gorillas von einem Menschenaffen, der sich wiederum vor rund fünf Millionen Jahren in Schimpansen und eine Linie aufspaltete, die bis zum modernen Menschen führt. Genau zur gleichen Zeit begannen dann auch die Wald- und Steppenelefanten in Afrika ihre eigenen Wege zu gehen. Das berichten Michael Hofreiter von der Universität York und seine Kollegen im Fachmagazin „PLoS Biology“.

Weil die Wiege der Arten bei den Rüsseltieren und den Menschenaffen gleichermaßen in Afrika stand, drängt sich natürlich der Verdacht auf, dass jeweils Klimaänderungen dieses parallele Entstehen von Arten ausgelöst haben könnten. Allerdings fragen sich Evolutionsbiologen, wie zuverlässig denn die Jahrmillionen sind, die Forscher errechnet haben.

Bei den Rüsseltieren stehen die Forscher zum Beispiel vor dem Problem, dass die einstige Vielfalt verschiedener Arten längst verschwunden ist. Noch vor 100 000 Jahren waren in den Wäldern Europas europäische Waldelefanten unterwegs. Sie übertrafen mit mehr als vier Metern Schulterhöhe, drei Meter langen Stoßzähnen und zehn Tonnen Gewicht sogar den heutigen Rekordhalter bei den Landtieren, den afrikanischen Steppenelefanten. Nicht viel kleiner waren die Mammuts, die weit im Norden durch die Tundren trotteten, während die ähnlich schweren aber kleineren Mastodons durch die Wälder Nordamerikas streiften.

Von dieser Artenvielfalt ist wenig übrig geblieben und mit den wenigen Überlebenden lassen sich die Verwandtschaftsverhältnisse bei den Rüsseltieren nur schwer klären. „Deshalb mussten wir auch das Erbgut ausgestorbener Arten wie dem amerikanischen Mastodon und dem Woll-Mammut sequenzieren“, erklärt Michael Hofreiter.

Da nach einigen Zehntausend Jahren auch bei gut erhaltenen Fossilien nur noch kleine Bruchstücke des Erbgutes übrig sind, ist das Ganze ein aufwendiges Puzzle. Deshalb untersuchten die Forscher zunächst nur das erheblich kleinere mitochondriale Erbgut aus den winzigen Energiezentralen lebender Zellen. Mit den im Jahr 2007 veröffentlichen Ergebnissen dieser Analyse gaben sich die Forscher trotzdem nicht zufrieden: Genauere Daten liefert die erheblich aufwendigere Analyse der Kern-DNA. Genau diese Untersuchung haben sie jetzt veröffentlicht. „Zum ersten Mal haben wir einen großen Datensatz über ausgestorbene Arten wie Mastodon und Mammut“, freut sich Hofreiter.

Die neuen Daten aber verblüffen die Welt der Zoologen. Vor rund sechs oder sieben Millionen Jahren trennten sich demnach die Gattungen Elephas und Loxodonta, von denen heute nur noch der asiatische Elefant Elephas maximus und die afrikanischen Wald- und Steppenelefanten aus der Loxodonta-Gattung übrig sind. Als sich vor fünf Millionen Jahren dann Menschen und Schimpansen auf eigene Wege machten, gab es bei den Rüsseltieren gleich eine doppelte Aufspaltung: In Asien trennten sich die Mammuts von den Elephas-Arten. Gleichzeitig aber trennten sich in Afrika auch die Waldelefanten von den Steppenelefanten und bildeten jeweils eigene Arten. Das zeigen die neuen Daten von Michael Hofreiter und seinen Kollegen. Genau dieser Status als eigene Art war für diese beiden Elefanten bisher immer wieder angezweifelt worden.

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