Unterricht : Englisch rund um die Uhr

Sprachen kann man auch im Internet lernen. Doch das geht nur mit Disziplin

Katja Gartz

Wer im Internet Englisch lernt, trifft im Klassenraum Schüler aus der ganzen Welt: Chinesen, Brasilianer, Spanier und Deutsche üben hier gemeinsam englische Konversation mit Muttersprachlern. Der Lehrer auf der Webseite stellt – wie im richtigen Klassenunterricht – Fragen. Per Mausklick melden sich die Schüler, wenn sie etwas sagen wollen.

Zu jeder vollen Stunde beginnt beim Kursanbieter „Englishtown“ Konversationsunterricht im virtuellen Klassenzimmer. Auf dem Bildschirm erscheint ein Lehrer vor einer Tafel, der mit acht Schülern, die sich pünktlich zum Unterrichtsbeginn eingeloggt haben, gemeinsam übt. Wer sich verspätet, muss eine Stunde warten, wer eine volle Klasse erwischt, wird weitergeleitet. Einzelunterricht wird ebenfalls angeboten.

Mit Englishtown lernen weltweit neun Millionen Menschen aus 120 Ländern per Kopfhörer und Mikrofon die englische Sprache. Unterrichtet werden sie von Sprachlehrern, die ebenfalls über den Globus verstreut sind. Englishtown hat seinen Hauptsitz in Shanghai und ist eine Tochterfirma des schwedischen Mutterkonzerns EF Education First, der seit 40 Jahren weltweit Sprachkurse und -reisen anbietet. Die Sprachschule im Netz gibt es seit 1994, das Konzept wurde von Wissenschaftlern aus Bosten und Stockholm entwickelt.

Zu Beginn eines Kurses macht jeder Teilnehmer einen etwa 30 Minuten langen Sprachtest. Alle folgenden Lehreinheiten, Lernhilfen, Spiele sowie die Konversationsklassen, richten sich nach seinen Kenntnissen. Hat ein Schüler sein Lernziel selbst bestimmt, erhält er einen individuellen Lehrplan: Je nachdem, ob er für ein Auslandsstudium, den internationalen Sprachtest Toefl lernen oder sein Business-English verbessern will.

Vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen gibt es 15 Stufen. Jede dieser Stufen umfasst acht Lehreinheiten, die in vier Bereiche unterteilt sind: Ansehen, Lernen, Ausprobieren und ein schriftlicher Test. Die Lektionen beginnen mit einer Einführung, zum Beispiel mit einem Film zum Thema „Reise nach London“. Mit Anleitungen arbeitet sich jeder Schüler durch Lese-, Schreib- und Sprechübungen. Die Ergebnisse können die Lernenden durch Zugriff auf die Lösungen selbst überprüfen. Begleitet werden die Kursinhalte von Hörbeispielen, Erklärungen in der Muttersprache, Fotos, Videos und Audios.

„Wer mit Englishtown Erfolg haben will, braucht Motivation und Selbstdisziplin“, sagt Carsten Knobloch von EF. Pro Woche sollten vier Stunden mit den Online-Kursen gelernt werden, sonst bleiben die Fortschritte aus. Eigentlich eine überschaubare Zeit – doch das selbstständige Lernen vor dem Computer hat mitunter seine Tücken.

„Bei einem Präsenzkurs gibt es feste Zeiten, zu denen die Sprachenschüler anwesend sein müssen“, sagt Michael Cordes, Projektleiter für Weiterbildungstests bei der Stiftung Warentest in Berlin. Zu Hause vor dem Computer gebe es dagegen viel Ablenkung: Das Telefon klingelt, die Wäsche muss in die Maschine – und die Nachrichten im Fernsehen fangen auch gleich an. Wer da wenig Selbstdisziplin aufbringt, kommt nicht weit.

Gegenüber einer Lernsoftware haben Klassenzimmer im Internet wie Englishtown laut Michael Cordes auch Vorteile: Sie gestatten, schriftliches Formulieren mit Lehrern und anderen Teilnehmern in Online-Foren zu üben. „Außerdem bekommen die Sprachenschüler Feedback von der Gruppe, was den Lernerfolg steigert“, so der Experte.

Weitere Informationen im Internet:

www.englishtown.de

www.test.de

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