Ursprung der Landwirtschaft : Gerste wurde im Jordantal kultiviert

In der Yoram-Höhle haben Samenkörner 6000 Jahre überdauert. Eine Erbgutanalyse zeigt: Dort begann die Kulturgeschichte der Gerste.

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Altes Korn. Aufgrund extremer Trockenheit blieben Pflanzenreste in der Yoram-Höhle erstaunlich gut erhalten. Dazu gehört unter anderem dieses Gerstenkorn.
Altes Korn. Aufgrund extremer Trockenheit blieben Pflanzenreste in der Yoram-Höhle erstaunlich gut erhalten. Dazu gehört unter...Foto: Uri Davidovich

Normalerweise verrotten Pflanzenreste schnell. Nicht so in der Yoram-Höhle nahe dem Toten Meer. Weil es dort extrem trocken ist, blieben alte Getreidepflanzen erhalten – und zwar so gut, dass es Forschern gelang, das Erbgut von Gerstenkörnern zu entziffern. Es handelt sich um das älteste Pflanzengenom, das bisher entschlüsselt wurde, berichtet das Team im Fachjournal „Nature Genetics“.

6000 Jahre sind die Körner alt, ergab eine Datierung mit der Radiokarbonmethode. „Ihr Erbgut unterscheidet sich deutlich von den Wildformen der Gerste, die heute in der Region zu finden sind, dafür ähnelt es stark den Zuchtvarianten, die von dort kommen“, sagt Nils Stein vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben. „Das bedeutet, dass die Zucht von Gerste im ,fruchtbaren Halbmond’ bereits damals weit entwickelt war.

Bereits vor 10 000 Jahren wurden Weizen und Gerste angebaut

Als „fruchtbaren Halbmond“ bezeichnen Wissenschaftler ein sichelförmiges Gebiet vom heutigen Iran und Irak über die Türkei und Syrien bis nach Israel und Jordanien. Es gilt als Ursprung der Landwirtschaft, bereits vor 10 000 Jahren wurden dort Weizen und Gerste angebaut.

Der Eingang zur Yoram-Höhle liegt in einer fast senkrecht aufragenden Felswand rund vier Meter oberhalb eines schmalen Pfades.
Der Eingang zur Yoram-Höhle liegt in einer fast senkrecht aufragenden Felswand rund vier Meter oberhalb eines schmalen Pfades.Foto: Ehud Weiss/ Nature Genetics

Die Yoram-Höhle ist schwer zugänglich und wurde vermutlich nur für kurze Zeit genutzt. Die dort zurückgelassenen Körner – zusammen mit weiteren archäologischen Funden in der Nähe – stützen nach Ansicht der Autoren die Hypothese, dass Gerste zuerst im oberen Jordantal kultiviert wurde. Neben dem Genom von Gerste wurde bisher nur das von prähistorischem Mais entziffert. „Das ist erst der Anfang eines neuen Forschungszweigs“, sagt Verena Schünemann von der Universität Tübingen. „Erbgutanalysen von alten Pflanzen versprechen neue Einblicke in die Ursprünge und die Entwicklung der Landwirtschaft.“

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