Wissen : Verdacht an der Charité

Hinweise auf Fälschungen verdichten sich

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In der Affäre um möglicherweise gefälschte Forschungsarbeiten an der Berliner Charité gibt es neue Hinweise. Wie der Tagesspiegel erfuhr, hat eine zweite Untersuchungskommission die Vorwürfe gegen den Mediziner S. erhärtet. In einer Stellungnahme der Charité heißt es, es sei bei den beiden untersuchten Aufsätzen zu groben Verletzungen der wissenschaftlichen Sorgfaltspflicht gekommen. „In einem Fall konnte S., der umfangreich angehört wurde, den Verdacht eines Teilplagiats nicht ausräumen. Es besteht weiterhin in mehreren Punkten der Verdacht einer vorsätzlichen Manipulation.“ Unter anderem soll S. Versuche an einer einzigen Ratte so dargestellt haben, als seien mehrere Versuchstiere untersucht worden.

Eine dritte Untersuchungskommission soll nun weitere Publikationen überprüfen und gerichtsfeste Beweise sammeln. Die Charité teilte mit, sie werde S. erneut auffordern, die fehlerhafte Publikation, die bereits veröffentlicht wurde, zurückzuziehen. Die Arbeit war 2003 im Fachmagazin „Faseb“ erschienen.

S. hatte 2002 seine Dissertation an der Humboldt-Universität abgeschlossen und später an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich und an der Charité geforscht. Im November 2008 erhielt S. einen Ruf an die Charité als Professor für Anatomie und Neuroanatomie. Nachdem 2009 Vorwürfe gegen S. erhoben wurden, setzte die Charité eine erste Untersuchungskommission ein. Ihr Ergebnis: Es könne zwar nicht nachgewiesen werden, dass S. Daten vorsätzlich gefälscht hätte. S. habe aber zumindest grob gegen die wissenschaftliche Sorgfaltspflicht verstoßen. Der Ruf wurde daraufhin, wie bereits berichtet, aufgehoben. Seitdem sind weitere Vorwürfe gegen S. laut geworden.

Die Kommission stellte nun auch fest, dass keinem der beteiligten Koautoren ein Vorwurf zu machen sei: „Die Untersuchungen richten sich ausschließlich gegen Dr. S., der die Charité inzwischen verlassen hat“, heißt es. Der Forscher K., der mit seinen Anschuldigungen die Untersuchung ins Rollen gebracht hatte, hält S. allerdings für ein Bauernopfer. „Ich habe Zweifel, dass Dr. S. allein für die Manipulationen verantwortlich sein soll“, sagte K. dem Tagesspiegel. kkp

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