Verhalten : Betrunkene Fledertiere bevorzugen Junkfood

Alkohol in überreifen Früchten kann das Futterverhalten beeinflussen.

Matt Kaplan

Menschen haben kein Monopol auf Trunkenheit. Neue Forschung zeigt, dass betrunkene Fledertiere eher als ihre nüchternen Artgenossen Junkfood fressen.

Wissend, dass Obst fressende Fledertiere regelmäßig auf gärende Früchte stoßen, untersuchten Francisco Sánchez und seine Kollegen vom Jacob Blaustein Institut für Wüstenforschung an der Ben Gurion Universität in Negev, Israel, die Auswirkungen des bei der Gärung entstehenden Alkohols auf das Fressverhalten der Tiere.

Zu diesem Zweck studierten sie Nilflughunde (Rousettus aegyptiacus). Zwölf dieser Fledertiere wurden in Käfigen gehalten, wo sie Futterbehälter mit Sojaprotein-Jungtiernahrung, Rohrzucker, Wasser und einer von sechs Alkoholkonzentrationen (0-2%) erhielten. Die Tiere erhielten jeden Tag unterschiedliche Alkoholkonzentrationen zu ihrem Futter. Futterreste wurden entfernt und gemessen.

Vermeiden von Alkohol

Es zeigte sich, dass Fledertiere Alkoholkonzentrationen von mehr als 1% mieden, dem Schwellenwert, unter dem sich ihr Verhalten nicht änderte. Um der Frage nachzugehen, welchen Einfluss Hunger darauf hätte, starteten die Wissenschaftler ein ähnliches Experiment mit hungrigen Fledertieren.

Die Wissenschaftler hatten erwartet, dass Alkohol in geringen Konzentrationen den Appetit wohlgenährter Fledertiere anregen würde. Hingegen nahmen sie an, dass hohe Konzentrationen aufgrund des toxischen Effekts den Appetit hemmen würden. Das Team nahm weiterhin an, dass die Alkoholintoxikation bei hungrigen Fledertieren ausgeprägter wäre und stellte die Hypothese auf, dass dies den Appetit reduzieren würde.

Sanchez und seine Kollegen berichten jedoch in Naturwissenschaften (1), dass sich keine der Hypothesen als richtig erwies. Gut genährte Fledertiere fraßen nicht mehr, wenn sie geringe Alkoholkonzentrationen zu sich nahmen und vermeiden es rundheraus, hohe Konzentrationen zu sich zu nehmen.

Verhungern oder Intoxikation

Hungrige Fledertiere fraßen dieselbe Menge alkoholhaltigen Futters wie bei normalem Futter, unabhängig vom Alkoholgehalt. "Möglicherweise liegt das daran, dass Verhungern eine größere Bedrohung darstellt als eine Intoxikation", meint Sánchez. Er beeilt sich jedoch hinzuzufügen, dass hungrige Fledertiere in Gefangenschaft möglicherweise eher eine Intoxikation in Kauf nehmen, da sie sich sicher fühlen. "Studien mit Wildtieren sind nötig", fügt er hinzu.

"Wir wussten nicht, dass Säugetiere, abgesehen vom Menschen, auf derart geringe Alkohollevel reagieren", sagt der Physiologe Robert Dudley von der University of California in Berkeley. Einige Früchte entwickeln Konzentrationen bis 8,1%. "Diese Konzentrationen kann man riechen, aber dass Konzentrationen von 1% Effekte auf das Verhalten von Fledertieren haben, ist bemerkenswert", sagt er.

Der Ökologe Brock Fenton von der University of Western Ontario, Kanada, denkt, dass die Größe der Fledertiere im Zusammenhang mit der Alkoholtoleranz stehen könnten, denn größere Tiere müssen mehr Alkohol zu sich nehmen, bis es zur Intoxikation kommt.

Schleckermaul

In einem Follow-up fand Sánchez' Team heraus, dass Fledertiere Alkohol schneller emittieren, wenn sie ihn zusammen mit Fruktose aufnahmen als mit Rohrzucker oder Glukose. Unter normalen Umständen bevorzugen Fledertiere Rohrzucker vor Fruktose und Fruktose vor Glukose, das Team nahm jedoch an, alkoholisierte Tiere würden Fruktose vorziehen.

Das war jedoch nicht der Fall. Stattdessen zeigten sie ein gesteigertes Verlangen nach Rohrzucker. "Wenn sie Alkohol zu sich nehmen, scheinen sie ihr Lieblingsfutter zu bevorzugen, ganz gleich welche Vorteile andere Nahrung für sie brächte", sagt Sánchez.

Warum Pflanzen Alkohol produzieren ist bislang kaum verstanden. Wahrscheinlich verhindert der Alkohol die Ausbreitung von Bakterien in der Frucht oder hält sie länger essbar.

(1) Sánchez, F. , Korine, C. , Kotler, B. P. & Pinshow, B. Naturwissenschaften advanced online publication; doi: 10.1007/s00114-008-0359-y (2008).

Dieser Artikel wurde erstmals am 15.4.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.756. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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