Verhalten : Warum pinkeln Affen auf ihre Füße?

Eine Studie gibt erste Antworten auf seltsames Verhalten von Primaten.

Matt Kaplan

Es mag merkwürdig erscheinen, aber viele Affen waschen ihre Hände und Füße mit Urin. Wissenschaftler meinen jetzt zu wissen warum.
Seit dieses seltsame Verhalten zum ersten Mal beobachtet wurde, wurden die unterschiedlichsten Theorien aufgestellt, von der Annahme, es verbessere den Halt der Affen beim Klettern bis zu der These, dass es sich um Waschverhalten handle. Eine Theorie, die breite Unterstützung fand, besagt, Affen würden sich mit ihrem Urin waschen, um sich abzukühlen, wenn es zu warm würde.
Neuere Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass es sich um Sozialverhalten handelt.
Dass Tiere Gerüchte benutzen, um zu kommunizieren, ist nicht neu. Das klassische Beispiel sind Hunde, die ihr Revier mit Urin markieren, wie andere Tierarten auch. Doch wenn es darum geht, sich selbst zu bepinkeln, gingen Forscher bislang davon aus, dass physiologische Gründe ebenso wichtig sein könnten wie soziale. Es scheint, als hätten sie falsch gelegen.

Heiße Zeiten

Die Primatenforscherin Kimran Miller und ihre Kollegen am National Institute of Health Animal Center in Poolesville, Maryland, beobachteten Kapuzineräffchen zehn Monate lang in Gefangenschaft. Die Wissenschaftler dokumentierten täglich die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit sowie die Häufigkeit des Waschens mit Urin. Ihr Bericht, der im American Journal of Primatology veröffentlicht werden wird, zeigt, dass sich das Verhalten der Affen nicht in Abhängigkeit von der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit änderte.
Stattdessen entdeckten Miller und ihr Team eine Verbindung zwischen Urinwaschen und Aufmerksamkeitssuche.
Alphamännchen zum Beispiel waschen sich doppelt so häufig mit ihrem Urin, wenn sie von Weibchen umworben werden. Die Wissenschaftler denken, dass Männchen auf diese Art Weibchen auffordern, ihnen weiterhin ihre Aufmerksamkeit zu schenken, nachdem sie einmal damit begonnen haben.
Und bei 87 % aller Kämpfe oder aggressiven Zwischenfälle wäscht sich der Verlierer mit Urin. Das Team vermutet, dass es sich hierbei ebenfalls um Aufmerksamkeitssuche handelt - in diesem Fall das Buhlen um Sympathie. Um sicher zu sein, ist jedoch weitere Forschung notwendig.
"Das ändert die vorherrschende Sichtweise, dass Urinwaschen bei Kapuzineräffchen mit Thermoregulation zu tun hat", kommentiert der Primatenforscher James Anderson von der University of Stirling in Schottland.
"Wir sehen Antilopen, die sich an den Hals pinkeln, Geier, die auf ihre Füße koten und Affen, die ihre Hände mit Urin waschen", sagt der Verhaltensforscher Fred Bercovitch vom Center for Conservation and Research for Endangered Species in San Diego. "Es ist offensichtlich, dass es beim Urinieren um mehr als die bloße Ausscheidung geht, und ich freue mich, dass über die Gründe hierfür geforscht wird."

Dieser Artikel wurde erstmals am 7.9.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news070909-18. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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