Verhalten : Warum überqueren Streifenhörnchen keine Straßen?

Eine Studie deutet darauf hin, dass offene Flächen und nicht der Verkehr kleine Säugetiere abschrecken.

Matt Kaplan

Kleine Säugetiere haben die Angewohnheit, befestigte Straßen zu meiden, und zögern, sie zu überqueren. Ökologen waren sich jedoch nicht einig, ob dies an den Straßen selbst liegt oder an den Autos, die darauf lärmen.
Eine neue Studie deutet darauf hin, dass es eher offene Flächen als Lärm oder Verschmutzung sind, welche die Tiere abschrecken.
Straßen durchschneiden Wälder und isolieren damit Tierpopulationen. Das kann für zersplitterte Populationen gefährdeter Säugetierarten wie das Murmeltier oder Mäusearten, die weite Wege gehen, um die genetische Vielfalt ihrer schwindenden Art zu erhalten, zu einem ernsthaften Problem werden.
Naturschützer kennen diverse Möglichkeiten, Tiere zur Migration anzuregen. Sie können Straßen sperren, den Verkehr kontrollieren, Durchgänge unter Schnellstraßen errichten. Um jedoch die beste Entscheidung zu treffen, müssen sie zunächst wissen, warum Straßen ein Problem darstellen.

Fangen und Freilassen

Um diese Frage zu untersuchen, fing ein Biologenteam der Carleton University in Ottawa Streifenbackenhörnchen (Tamias striatus) und Weißfußmäuse (Peromyscus leucopus) und markierte ihre Ohren, so dass sie aufgespürt werden konnten.
Sie setzten 159 Streifenhörnchen und 244 Mäuse mit einer unterschiedlichen Anzahl von Straßen zwischen sich und ihrem Zuhause aus. Anschließend untersuchte das Team, ob die Zahl der Straßen oder die Verkehrsdichte auf diesen Straßen dazu in Beziehung standen, wie viele Tiere nach Hause zurückkehrten. Einige der Straßen waren praktisch verlassen, andere hatten ein Verkehrsaufkommen von mehr als 15.000 Fahrzeugen pro Tag.
Im Journal of Applied Ecology berichten sie, dass 51 % der Säuger, die eine Straße zu überwinden hatten, nach Hause zurückkehrten, während es 77 % der Tiere waren, die in einer ähnlichen Distanz, aber ohne zu überquerende Straßen ausgesetzt worden waren. Mit mehreren zu überquerenden Straßen reduzierte sich die Zahl der Heimkehrer um jeweils weitere 50 % pro Straße. Überraschenderweise machte das Verkehrsaufkommen keinen Unterschied.
Darüber hinaus bemerkte das Team, das Gebiete, die in der Nähe einer Straße liegen, ebenso von kleinen Säugetieren besiedelt sind, wie Gebiete in weiterer Entfernung zu Straßen. Dies legt ebenfalls nahe, dass Lärm und Verkehr nicht die ausschlaggebenden Faktoren für diese Tiere sind.
"Sie vermeiden befestigte Straßen, aber es scheint ihnen nichts auszumachen, in ihrer Nähe zu leben", sagt Lenore Fahrig, eine der Autorinnen der Studie.

Keine universelle Lösung

Vorangegangene Studien mit Amphibien und Reptilien erbrachten besorgniserregend hohe durch den Verkehr verschuldete Todeszahlen, sagt Fahrig. Aber die Situation kleiner Säugetiere ist eine andere - sie scheinen Fahrzeugen besser ausweichen zu können. Das sind gute Nachrichten für Säugetiere, aber das Problem, wie alle Wildtiere geschützt werden können, wird dadurch verkompliziert. "Es gibt starke Anzeichen dafür, dass wir abgesehen vom Schließen der Straßen keine universelle Lösung, die für alle Tierarten gilt, haben", erklärt Fahrig.
Ebenso scheinen große Tiere unterschiedlich auf Straßen zu reagieren. Ausführliche Arbeiten haben gezeigt, dass der Verkehr zum Beispiel Elche und Hirsche nicht abschreckt. "Viele denken, dass Verhaltensmuster, die Tier A zeigt, auch für Tier B gelten, doch diese Studie hat gezeigt, dass das nicht der Fall ist", sagt der Ökologe Joel Berger von der Wildlife Conservation Society in New York.
Soweit es jedoch Streifenhörnchen betrifft, legt die Studie nahe, dass tierfreundliche Tunnel eine gute Lösung sein könnten.
In Kanada, merkt Berger an, entwickeln Ökologen Straßenübergänge für große Tiere wie Grizzlys für viele Millionen Dollar. "Es wäre großartig, wenn diese Studie die Leute, die in diese Projekte involviert sind, dazu bringen würde, auch an die kleinen Kerle zu denken", sagt Berger.

Dieser Artikel wurde erstmals am 20.11.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2007.271. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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