Verhaltensforschung bei Vögeln : Zebrafinken singen gegen den Klimawandel

Vogeleltern bereiten den Nachwuchs auf wärmere Zeiten vor: Wenn Zebrafinken bei höheren Temperaturen für ihre Jungen im Ei singen, wirkt sich das auf deren Fortpflanzungsverhalten aus.

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Zwei Finken sitzen auf einem Ast.
Gut vorbereitet. Australische Zebrafinken können ihren Nachwuchs mit Gesang gegen wärmeres Klima wappnen.Foto: Chris Tzaros

Während sich die Küken noch im Ei entwickeln, bereiten die Eltern von Zebrafinken ihren Nachwuchs bereits auf die höheren Temperaturen vor, die der Klimawandel der nächsten Generation bringen kann. Wie es bei Vögeln so üblich ist, sangen sie den Kleinen diese wichtige Information vor. Das berichten Mylene Mariette und Katharine Buchanan von der Deakin University in der Stadt Waurn Ponds in Australien in der Zeitschrift „Science“ (Band 353, Seite 812).

Zebrafinken leben in vielen trockenen Regionen Australiens und erleben dort recht unterschiedliche Temperaturen. Als die beiden Forscherinnen 61 Vogelelternpaare aus der Natur in Volieren hielten und sie beim Nisten beobachteten, bemerkten sie einen verblüffenden Zusammenhang: Wie andere Arten auch, sangen die Tiere in den letzten Tagen vor dem Schlüpfen der Küken den Eiern ab und zu Lieder vor. Dieses Verhalten verwundert Zoologen kaum. Schließlich hören die Vogel-Embryonen ähnlich wie auch Kinder vor der Geburt im Bauch der Mutter bereits Geräusche und reagieren darauf. Allerdings sangen die Zebrafinken-Eltern nur dann, wenn die höchsten Temperaturen am Tag über 26 Grad Celsius lagen.

Die Forscherinnen simulierten das Verhalten im Brutschrank

Vielleicht bereiten die Eltern ihren Nachwuchs mit ihrem Gesang also schon einmal auf die höheren Temperaturen vor, die sie nach dem Schlüpfen erwarten, überlegten Mylene Mariette und Katharine Buchanan. Um das zu testen, ließen sie mehr als 100 Eier in Brutschränken reifen. Einem Teil dieser Eier spielten die Forscherinnen in den letzten fünf Tagen vor dem Schlüpfen der Küken aus Lautsprechern die Lieder vor, die ihre Vogeleltern bei hohen Temperaturen singen. Der andere Teil der Eier bekam dagegen in dieser Zeit zur Kontrolle die normalen Laute zu hören, mit denen die Eltern sich untereinander verständigen. Nach dem Schlüpfen mussten die Küken dann erst einmal auf die Waage. Der Nachwuchs, der die Hochtemperatur-Gesänge der Zebrafinken vom Band gehört hatte entpuppte sich dabei als durchwegs leichter als die Küken, die im Ei nur den normalen Unterhaltungen der Eltern gelauscht hatten.

Das war überraschend. Ausgerechnet die Küken, die von ihren Eltern auf höhere Temperaturen und damit auf ein höheres Stress-Niveau vorbereitet worden sein sollten, waren leichter. Eine Faustformel von Zoologen lässt vermuten, dass ein geringeres Gewicht beim Schlüpfen die Überlebenschancen verschlechtern.

Wer das Lied der Eltern hörte, hat mehr Nachwuchs

Bei höheren Temperaturen ist diese Faustformel jedoch aus zwei Gründen offenbar falsch. Zum einen schädigt Sauerstoff bei steigenden Temperaturen die Zellen des Nachwuchses häufiger, während solche Schäden abnehmen, wenn die Küken langsamer wachsen und daher leichter bleiben.

Obendrein verliert ein kleinerer Organismus verhältnismäßig mehr Wärme über seine Oberfläche als ein großer. Leichtere Vögel sind daher in einer kühlen Umgebung im Nachteil, weil sie mehr Energie verlieren. Bei höheren Temperaturen aber hat ein kleinerer Körper durchaus seine Vorteile. So kommen die großen Vögel leichter in Schwierigkeiten, weil sie überschüssige Energie schlechter abführen können als kleinere Artgenossen.

Bei steigenden Temperaturen sollten die Hänflinge unter den Zebrafinken also Vorteile gegenüber den schwergewichtigeren Artgenossen haben. Ob diese Theorie stichhaltig ist, testeten die Wissenschaftlerinnen, indem sie die Fortpflanzungschancen untersuchten. So wählten die Männchen, die noch im Ei den Klimawandel-Gesang gehört hatten, wärmere Nester als die Geschlechtsgenossen, die nur die normalen Eltern-Smalltalks im Ohr hatten. Sie sollten also im Klimawandel besser zurechtkommen. Vor allem aber zogen die Klimawandel-Zebrafinken schon in ihrer ersten Brut deutlich mehr Küken groß als die Artgenossen, die nur der alltäglichen Verständigung ihrer Eltern gelauscht hatten. Das Singen ihrer eigenen Eltern bereitet diese Zebrafinken also offensichtlich gut auf die steigenden Temperaturen im Klimawandel vor.

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