Verhaltensforschung : Tausche Futter gegen neue Bekanntschaft

03.01.2013 17:00 Uhr
Netzwerker. Sozialer Austausch ist Bonobos wichtiger als Vorräte. Foto: Jingzhi Tan
Netzwerker. Sozialer Austausch ist Bonobos wichtiger als Vorräte. - Foto: Jingzhi Tan

Bonobos teilen ihre Nahrung lieber mit fremden Artgenossen als mit Mitgliedern ihrer eigenen Gruppe.

Das wiesen Forscher von der Duke-Universität in Durham in North Carolina in 70 Versuchen mit 14 verschiedenen Bonobos nach. Vermutlich wollten die Menschenaffen so ihr soziales Netzwerk erweitern, schreiben Jingzhi Tan und Brian Hare in der Fachzeitschrift „Plos One“. Neue Bekanntschaften seien den Tieren wichtiger als das Erhalten einer Freundschaft.

Teilen mit Fremden sei demnach keine einzigartige Eigenschaft des Menschen, meinen die Forscher. Allerdings sei das Verhalten der Affen nicht völlig uneigennützig. Wenn kein direkter Kontakt mit dem Artgenossen möglich ist, fressen sie lieber alleine, als anderen über technische Umwege zu Futter zu verhelfen.

Die Versuchsreihe im „Lola ya Bonobo“-Tierasyl in kongolesischen Kinshasa setzte sich aus mehreren Experimenten zusammen. Zuerst bekamen die Affen einen Futtervorrat in ihren Käfig, jeweils hinter einer Scheibe beäugt von einem Bonobo aus der eigenen Gruppe und einem, den sie nur vom Sehen kannten. Statt den Vorrat in aller Ruhe selbst zu verspeisen oder dem Gruppenmitglied die Tür zu öffnen, baten die meisten Affen zuerst das fremde Tier zu sich. Der fremde Bonobo wiederum öffnete häufig noch zusätzlich dem Gruppenmitglied des Gastgebers die Tür, so dass er selbst nun zwei Angehörigen der ihm fremden Gruppe gegenübersaß.

Dass dabei nicht nur selbstsüchtige Motive eine Rolle spielen, zeigte ein weiteres Experiment. Das Futter war nun für die Versuchstiere selbst unerreichbar. Sie konnten jedoch mithilfe eines Seils einem anderen Bonobo eine Tür öffnen, so dass dieser an das Essen gelangen konnte. Das Versuchstier hatte dabei keine Möglichkeit zu einem direkten Kontakt mit dem anderen. Dennoch öffneten neun von zehn Bonobos wenigstens in einem Versuchsdurchgang die Tür. Dabei kamen Fremde und Gruppenmitglieder gleichermaßen zum Zuge.

Wenn sie allerdings Futter abgeben sollten und im Gegenzug trotzdem kein direkter Kontakt zum Artgenossen möglich war, siegte der Egoismus. Während Menschen auch anonym und ohne Gegenleistung kleine Hilfen gewähren, öffnete in dem Test keines der Versuchstiere die Tür für den anderen – weder für Fremde noch für Gruppenmitglieder. dpa/jas

Aktuell auf tagesspiegel.de

Umfrage

Sollte es eine allgemeine Verjährungsfrist für Plagiatsvergehen in akademischen Arbeiten geben?

Weitere Themen

Hast du als HartzIV-Bezieher deiner Oma ihr Kanapee für 100 Euro verkauft und den Betrag nicht angegeben, wird dir beim nächsten Mal das Geld abgezogen und du bekommst eine 3 monatige Sanktion auf dein Existenzminimum. Verbrätst du als Politiker Millionen (können gerne auch mal Milliarden sein), dann gibt es aber - holla die Waldfee - ein richtig kräftiges DuDu... mindestens...
Diskutieren Sie mit!
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Dr. Dollars Diagnose und weitere Artikel aus unserem Gesundheit-Ressort.

Gesundheit

Alles rund um's Studium

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite