Verhütungsmittel : Erwünschte Nebenwirkung: Pille senkt Risiko für Gebärmutterkrebs

Seit sie vor 50 Jahren auf den Markt kam, hat die Pille 400 000 Fälle von Gebärmutterkrebs verhindert. Das rechneten Oxford-Forscher aus.

Adelheid Müller-Lissner
Die Pille muss täglich eingenommen werden, wie das Foto der Medikamentenverpackung, des Blisters, mit einzelnen Wochentagen pro Pille zeigt.
Verhütet. Die Pille senkt das Risiko für Krebs der Gebärmutter.Foto: Imago

Das Wort „Anti-Baby-Pille“ hörte ihr Erfinder Carl Djerassi nicht gern. Denn Frauen sollten sie nutzen, um über Zeitpunkt und Zahl der Schwangerschaften zu entscheiden. Eine neue Studie lässt die hormonellen Kontrazeptiva nun als „Anti-Krebs-Mittel“ erscheinen, zumindest was Tumoren der Gebärmutter betrifft: 400 000 Fälle von Gebärmutterkrebs könnten in den Jahren zwischen 1965 und 2014 durch sie verhindert worden sein, berichten Forscher um Valerie Beral von der Universität Oxford in der Online-Ausgabe von „Lancet Oncology“.

Die Forscher haben 36 Studien analysiert, in denen 27 276 Frauen mit Gebärmutterkrebs mit 115 743 Frauen verglichen wurden, denen diese Diagnose erspart blieb – die sich aber in Bezug auf Alter, Kinderzahl, Gewicht, die Frage des Rauchens und der Hormontherapie in den Wechseljahren nicht von den Erkrankten unterschieden. Das Resümee: In den Industriestaaten erkranken unter den Frauen, die zehn Jahre die Pille genommen haben, 13 von 1000 Frau- en, die jünger als 75 Jahre alt sind. Ohne Pille sind es 23.

Schon zuvor hatten epidemiologische Studien ergeben, dass das Risiko, Gebärmutter- oder Eierstockkrebs zu bekommen, durch Östrogen- und Gestagen-haltige Kontrazeptiva gesenkt wird. Erhöht wird es umgekehrt durch die Anzahl der Eisprünge, die eine Frau im Laufe ihres Lebens hat. Setzen die ersten Monatsblutungen früh ein oder enden sie spät, gilt das ebenso wie Kinderlosigkeit als Risikofaktor. Ende der 60er Jahre hatten amerikanische Forscher gezeigt, dass Nonnen häufiger unter Krebs der Brust, der Eierstöcke und der Gebärmutter leiden. Australische Forscher hatten vor einigen Jahren sogar vorgeschlagen, ihnen prophylaktisch die Pille zu verordnen, um den Eisprung und das Auf und Ab der Hormone zu unterdrücken.

Je länger die Einnahme, umso größer der Schutz

Die aktuelle Metaanalyse ergänzt das Bild um wichtige Details. Zunächst zeigte sich, dass die Schutzwirkung mit der Dauer der Einnahme der Kontrazeptiva zunahm. Zweitens spielte es keine Rolle, in welchem Jahrzehnt die Frauen die Pille genommen hatten – obwohl insbesondere das Östrogen früher deutlich höher dosiert war. Drittens gibt es Hinweise darauf, dass die Schutzwirkung sich bei Tumor-Unterformen unterscheidet.

In einem Kommentar zur Studie weisen Nicolas Wentzenstein und Amy Berrington de González vom National Cancer Institute aber darauf hin, dass viele Fragen offen bleiben. So seien die biologischen Mechanismen, auf denen der Schutz beruht, noch nicht ganz verstanden. Zu den unerwünschten Nebenwirkungen gehört auf jeden Fall, dass die Pille das Risiko für Thrombosen und Schlaganfälle erhöht. „Die Abwägung zwischen Risiken und Nutzen der oralen Kontrazeptive ist komplex.“

In Deutschland ist Gebärmutterkrebs mit rund 11 500 neuen Fällen pro Jahr die vierthäufigste Krebsform bei den Frauen. Als ein wichtiger beeinflussbarer Risikofaktor gilt starkes Übergewicht.

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