VERZEIHEN : Entlastende Etappen

Der Psychologe Robert Enright hat zusammen mit seiner Arbeitsgruppe aufgrund langjähriger Erfahrung mit Einzeltherapien und wissenschaftlichen Studien ein Vier-Phasen-Modell des Vergebens entwickelt.

In der ersten Phase geht es darum, sich über die Art der eigenen Wut und den bisherigen Umgang mit ihr klar zu werden. Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit recht schmerzhaft – aber unvermeidlich. Enright rät deshalb: „Begeben Sie sich bitte nicht allein auf die Vergebungsreise.“ Vielmehr solle man einen aufmerksamen Gesprächspartner suchen, eine Freundin vielleicht, mit der man die Gedanken und Gefühle teilen kann, die nun wach werden.

In der zweiten Phase liegt der Entschluss, dem anderen zu vergeben. In der dritten Phase des Prozesses steht die eigentliche „Vergebungs-Arbeit“ an. Enrights Darstellung dieser Phase endet mit der überraschenden Aufforderung: „Machen Sie dem Täter ein Geschenk!“ Er denkt dabei zum Beispiel an eine Glückwunschkarte, einen Krankenbesuch oder auch eine Einladung ins eigene Zuhause. „Manchmal ist die Person, die einen verletzt hat, bereits tot. In solchen Fällen kann man Blumen auf ihr Grab stellen oder anderen Menschen gegenüber gut über sie sprechen.“

In der abschließenden vierten Phase schließlich kann es gelingen, sich aus dem „Gefängnis der Emotionen“ zu befreien. Der Amerikaner scheut hier ein gewisses Pathos nicht, wenn er sagt: „Unversöhnlichkeit, Bitterkeit, Ressentiments und Wut sind den vier Mauern einer Gefängniszelle vergleichbar. Vergebung ist der Schlüssel, mit dem Sie die Gefängnistür öffnen, so dass Sie aus dieser Zelle heraustreten können.“ aml

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