Wissen : Viel Zuspruch für Olbertz

Mit großer Mehrheit hat das Konzil der Humboldt-Universität am Dienstag den einzigen vom Kuratorium nominierten Kandidaten zum zukünftigen Präsidenten gewählt. Jan-Hendrik Olbertz, Erziehungswissenschaftler und seit 2002 Wissenschaftsminister in Sachsen-Anhalt, erhielt 49 Ja-Stimmen und sechs Nein-Stimmen. Zwei Stimmzettel waren ungültig.

Präsident Christoph Markschies, dessen Amtszeit eigentlich noch bis Ende des Jahres geht, ist inzwischen doch bereit, früher auszuscheiden. Olbertz soll am 18. Oktober antreten. Allerdings wird erwartet, dass er sich schon vorher intensiv um die Antragsskizze im nächsten Exzellenzwettbewerb kümmert, die bis zum 1. September eingereicht sein muss. Olbertz will deshalb noch vor dem Sommer von seinem Ministeramt zurücktreten.

Markschies sagte vor Journalisten, er freue sich „unglaublich“, dass mit Olbertz „ein sehr überzeugender Nachfolger“ für ihn gefunden worden sei. Sowohl Markschies als auch Olbertz gehen davon aus, dass die beiden Vizepräsidenten Uwe-Jens Nagel und Michael Linscheid ihre Ämter ebenfalls vorzeitig aufgeben. „Es ist ganz wichtig, dass Herr Olbertz Gelegenheit hat, sich sein Team selbst auszusuchen“, sagte Markschies. Die beiden Vizepräsidenten stünden für den „Klärungsprozess zur Verfügung“. Gefragt nach den Erfolgen seiner Amtszeit verwies Markschies auf die vielen Berufungen, die der HU zu einer „fachlichen Neuprofilierung“ verholfen hätten.

An der HU habe der anstehende Leitungswechsel eine „euphorische Stimmung“ ausgelöst, sagte Michael Kämper-van den Boogaart, Dekan der Philosophischen Fakultät II, nach der Wahl auf Anfrage: „Ich hoffe, dass der neue Schwung in den Fakultäten und der Verwaltung anhält.“ Der Philosoph Volker Gerhardt sagte, er sei „tief befriedigt“ über die Wahl Olbertz’. Eine der dringendsten Aufgaben des neuen Präsidenten werde sein, „dass wir beim Exzellenzwettbewerb in eine gute Position kommen“. Olbertz müsse die HU auch „stärker gegenüber der FU in Stellung bringen“. Der Historiker Thomas Mergel sagte, Olbertz müsse die Verwaltung reformieren. Deren Schwächen seien „das stärkste Hindernis auf unserem Weg zu einer Spitzenuni“. Als „realistischer und gesprächsfähiger“ Mensch werde es Olbertz sicher schaffen, die Gruppen der Universität stärker zusammenzuführen.

Die Gegenstimmen dürften aus den Reihen der Studierenden gekommen sein. Eine Studentin sagte, sie habe sich geärgert, dass es keine Auswahl zwischen mehreren Kandidaten gab: „Die Findungskommission hat für uns gewählt.“ Von Olbertz erwarte sie, dass er die Fehler in der Studienreform „schnellstmöglich“ anpacke und den Studierenden mehr Mitsprachrecht gewähre. akü/tiw

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