Vollversammlung an der HU Berlin : Studierende protestieren gegen Einschnitte

Auch die Studierenden der HU Berlin protestieren gegen Einschnitte beim Mittelbau. Im Sommer kommt es womöglich zu weiteren Aktionen.

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„Exzellenz und massive Einschnitte beim Personal – das passt doch wirklich nicht zusammen!“ Mit diesen Worten brachte Psychologie-Professor Thomas Fydrich die Stimmung bei der studentischen Vollversammlung an der Humboldt-Universität am Donnerstag Nachmittag auf den Punkt. Die Studierenden klatschten laut. Mehrere hundert waren ins überfüllte Audimax gekommen, um über die massiven Kürzungen an der Uni zu diskutieren. Überhaupt erhielt Fydrich für seine Rede den größten Applaus. Er schilderte, wie stark die Einschnitte sich auf das Psychologie-Institut auswirken werden. Fünf von 15 wissenschaftlichen Mitarbeitern würden nicht weiterbeschäftigt. „Uns fehlen pro Jahr 50 Seminare“, rief er.

Wie berichtet sind viele HU-Angehörige sehr besorgt, weil sie mit Stellenstopps für wissenschaftliche Mitarbeiter in großem Umfang rechnen. Der Personalrat geht davon aus, dass de facto ein Drittel der 1000 haushaltsfinanzierten Mitarbeiter von einer Besetzungssperre betroffen sein könnte. Auf der Vollversammlung warfen mehrere Rednerinnen und Redner dem Präsidium vor, es verschleiere das wahre Ausmaß der Einschnitte. Das Präsidium habe Nachfragen nach konkreten Zahlen unbeantwortet gelassen, sagte etwa der Studierendenvertreter Matthias Geisler: „Wir können gar nicht sagen, wie schlimm es wirklich ist.“ Ein HU-Mitarbeiter forderte die Studierenden auf, selber Informationen zu sammeln, welches Personal wegfalle. Anders könne man kein komplettes Bild über die Lage bekommen.

Bejubelt wurden Beiträge, die an den „Bildungsstreik“ 2009 erinnerten. Neue Proteste sollen frühestens im Sommer stattfinden, darüber wollen die Studierenden demnächst beraten. Die Versammlung verabschiedete einen Forderungskatalog, der etwa den Verzicht auf Personalkürzungen enthält. Der Vorschlag, das Präsidium abzuschaffen, fand dagegen ebenso wenig eine Mehrheit wie die Forderung nach einem Rücktritt von HU-Präsident Olbertz. „Dem wäre sowieso nicht zu trauen“, witzelte ein Studierendenvertreter in Anspielung auf Olbertz’ 30-Minuten-Rücktritt im Dezember.

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