Wissen : Von der Antike bis zur Weltraumfahrt

Die TU Berlin bietet faszinierende Experimente

Susanne Sand

Wer träumt nicht einmal davon, wie Luke Skywalker furchtlos in den Todesstern zu rasen? Sternenkrieg können die Mathematiker der TU Berlin nicht bieten, wohl aber das atemberaubende Gefühl, durch fremde Welten zu fliegen. Mit virtuellen 3D-Flügen entführen die TU-Mathematiker nicht nur in die unendlichen Weiten einer stereoskopischen Reise. Stereoskopische Brillen benutzt man, um Bilder und Filme räumlich, also dreidimensional, anzuschauen.

Die Mathematiker der TU Berlin fliegen auch durch die internationale Weltraumstation ISS und durch phantastische Gefilde, die es so noch nicht gibt oder niemals geben wird. Insgesamt 15 3D-Projekte präsentieren sich während der Langen Nacht der Wissenschaften an der TU Berlin.

Die Themen reichen dabei von dreidimensionalen Fantasiewelten bis hin zu räumlichen Klängen. Einen ganz besonderen Höhepunkt wird es im TU-Hauptgebäude geben. Hier werden von 2700 Lautsprechern neue akustische Welten erzeugt. Hören Sie dreidimensional!

Mit einer Stereobrille vor den Augen kann man sich bei den Geodäten und Geoinformationstechnikern auf eine Reise durch Raum und Zeit begeben: von Berlin zurück in die Antike und von dort zum Mars.

Auch die Elektrotechniker der TU Berlin haben sich zur Langen Nacht etwas besonderes ausgedacht. Sie lassen nicht nur Roboter fliegen. Sie bringen auch gelähmte Muskeln dazu, sich wieder zu bewegen.

Die Elektrotechniker und Informatiker der TU Berlin entwickelten den Modellhubschrauber „Marvin“, einen vollständig autonom agierenden Flugroboter, der sehen, hören und berichten kann. Er ist für den Einsatz über unbekanntem oder gefährlichem Gelände gedacht, etwa, um Giftfässer aufzuspüren oder Verletzte zu finden.

Auch die so genannten Exoskelette für Hände und Beine sind ein Ergebnis erfolgreicher Forschung an der TU Berlin. Diese intelligenten Orthesen ersetzen nicht wie Prothesen fehlende Gliedmaßen, sondern helfen, Bewegungen wieder auszuführen. Das Bein-Exoskelett ist sogar in der Lage vorauszusehen, welche Bewegung der Patient machen möchte, ob er aufstehen, laufen oder Treppen steigen will.

Eine andere Methode, gelähmte Muskeln zu aktivieren, ist deren Stimulation durch elektrische Reize. Dadurch können Querschnittsgelähmte und Schlaganfallpatienten bei der Rehabilitation unterstützt werden. Wissenschaftler des Instituts für Energie- und Automatisierungstechnik führen vor, wie Querschnittsgelähmte mit eigener Muskelkraft wieder Fahrrad fahren können.

Neben diesen Projekten präsentiert die Fakultät Elektrotechnik und Informatik in ihrem Gebäude am Einsteinufer ein umfangreiches Programm. Wissenschaftler erzählen, wie die Kulturgeschichte der Elektrogitarre und die Entwicklung der Verstärkertechnik zusammenhängen, und zeigen die Herstellung eines Mikrosensors vom Entwurf bis zum Produkt. Auch die für die Produktion von Mikrosystemen so wichtigen partikelfreien Reinraumlabore stehen in der Langen Nacht der Wissenschaften offen. Forscher führen durch die Hightechräume, die zehntausend Mal sauberer sind als ein Büro. Das Reinraumlabor befindet sich in der Gustav-Meyer-Allee in Berlin-Wedding.

Für Schüler ist die Lange Nacht bestens geeignet, sich einen Einblick über Studienmöglichkeiten in der Elektrotechnik und Informatik zu verschaffen. „Marvin“ zum Beispiel wurde hauptsächlich von Studenten entwickelt, in einem Projekt, das sich über mehrere Semester erstreckte.

Obwohl an der TU Berlin keine Medizin gelehrt wird, liegt den Wissenschaftlern die Gesundheit sehr wohl am Herzen. Die Forscher im Zentrum für innovative Gesundheitstechnologie entwickeln moderne Prothesen für die neurologische Rehabilitation nach einem Schlaganfall, bei einer Querschnittslähmung oder bei einem Schädel-Hirn-Trauma.

So wird während der Langen Nacht der Wissenschaften unter anderem ein Gerät zur Rehabilitation der Arme nach einem Schlaganfall vorgeführt. Darüber hinaus informieren die Wissenschaftler über die neuesten Erkenntnisse in der Lärmforschung und die negativen Auswirkungen beispielsweise von Verkehrslärm auf das gesundheitliche Befinden. Interessierte können sich einen Einblick in die Arbeit des Berliner Herzinfarktregisters verschaffen.

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