Von der Türklinke bis in den Mund : Viren besiedeln Büros binnen Stunden

Lichtschalter, Tastaturen, Kaffeetassen, Türknäufe: Büros bieten Noroviren und anderen Keimen jede Menge Gelegenheiten, sich schnell zu verbreiten.

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Biotop Büro. Noroviren und andere Keime werden in Büros von Platz zu Platz geschleppt.
Biotop Büro. Noroviren und andere Keime werden in Büros von Platz zu Platz geschleppt.Foto: dpa, picture alliance

Allein 2013 erkrankten in Deutschland rund 90 000 Menschen an einer Magendarminfektion mit Noroviren, 38 starben sogar daran. Ähnlich wie Influenzaviren sind diese Erreger besonders leicht übertragbar. Allerdings macht das Verhalten der Menschen im Alltag es den Viren leicht, sich zu verbreiten, berichteten Forscher am Montag auf einer Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie in Washington.

Das Team von Charles Gerba von der Universität Arizona in Tucson hatte morgens einen Türknauf oder eine Tischplatte in einem Bürogebäude oder Krankenhaus mit dem Virus MS-2 beschmiert. Es befällt nur Bakterien und ist für Menschen harmlos, ähnelt jedoch in Größe, Gestalt und Widerstandskraft gegenüber Desinfektionsmitteln dem Norovirus.

Im Laufe des Tages nahmen die Forscher Proben von Lichtschaltern, Tischflächen, Kaffeetassen, Tastaturen, Telefonen und anderen häufig berührten Stellen. „Die Viren waren innerhalb von zwei bis vier Stunden in 40 bis 60 Prozent der Proben zu finden“, sagte Gerba auf der Tagung. Ganz anders sahen die Ergebnisse aus, wenn das Putzpersonal mit speziellen Desinfektionsmitteln ausgestattet wurde, die biozide quartäre Ammoniumverbindungen (Quats) enthalten: „Wenn Quats eingesetzt werden, die gegen Noroviren und Influenza wirken, und Hand-Hygiene praktiziert wird, lässt sich die Verbreitung der Viren um 80 bis 99 Prozent reduzieren“, sagte Gerba.

Nicht nur im Büro, auch auf dem Land nutzen Mikroben den Menschen, um sich zu verbreiten. Im Fachblatt „Occupational and Environmental Medicine“ schreibt Christoper Heaney von der Johns-Hopkins-Universität, dass Arbeiter aus Schweineproduktionsbetrieben bis zu vier Tage lang potenziell gefährliche, antibiotikaresistente Staphylokokken-Bakterien verschleppen können – und zwar in der Nase.

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