Wissen : Von Shakespeare lernen

Der Vizekanzler von Oxford erklärt in Berlin, was eine Weltklasse-Uni ausmacht

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Wenn vor zehn Jahren von Exzellenz oder Weltklasse die Rede war, konnten ein Kirchenmann oder ein treffsicherer Mittelstürmer nicht weit sein. Doch seit die deutschen Unis mit der 2005 gestarteten Exzellenzinitiative zumindest in Sichtweite der weltbesten Hochschulen gelangen wollen, hat sich viel geändert.

Was macht eine Weltklasse-Hochschule im 21. Jahrhundert aus? „Eine kritische Masse an exzellenten Köpfen“, erklärt Andrew Hamilton, Vizekanzler der Universität Oxford, am Montagabend an der Humboldt-Universität (HU). Überschwänglich lobt Hamilton das humboldtsche Ideal von der Einheit von Forschung und Lehre, schließlich sei dieser deutsche Exportschlager auch für Oxford wegweisend gewesen. „Es gibt vier Komplexe: herausragende Menschen, die Verpflichtung zu exzellenter Forschung sowie zur exzellenten Lehre und – das Wichtigste – eine belastbare Finanzstruktur.“ Vor allem der letzte Punkt in Hamiltons Exzellenz-Wegweiser rief den auf dem Podium anwesenden Georg Schütte, Staatssekretär im Bildungsministerium, auf den Plan. „Statt die Studenten schrittweise an Studiengebühren zu gewöhnen, schaffen wir sie teilweise wieder ab“, klagte er.

Gesine Schwan, SPD-Politikerin und Präsidentin der Viadrina School of Governance, störte sich während der anschließenden Diskussion vor allem an dem exklusiven Ansatz Hamiltons: „Wettbewerb bringt nicht so viel wie Kooperation. Wir sollten Wert auf Zusammenarbeit legen und versuchen, die wirklichen Probleme der Welt anzugehen.“ Fortschritt, bezahlbarer Wohlstand und nachhaltige Entwicklung – in ihren Zielen waren sich Hamilton und Schwan einig. Die Frage, ob ein exklusiver oder ein inklusiver Ansatz zu wählen ist, blieb im Senatssaal der HU ungelöst. Zumindest die Hochschule selbst hat den Konkurrenzgedanken gefördert: Nur vier Mikrofone standen für fünf Podiums-Experten bereit – ausgerechnet Schwan und Hamilton mussten sich eins teilen.

Nach so viel Pathos um Exzellenz, Weltklasse und die wirklichen Probleme des Planeten erheiterte Hamilton das Publikum mit dem Vorschlag, angehende Diplomaten anhand von Shakespeare-Stücken zu unterrichten und kommende Staatsmänner von dem bekanntermaßen kriegsbegeisterten König Heinrich V. lernen zu lassen. Geisteswissenschaftlern rät Hamilton insgesamt zu interdisziplinärer Zusammenarbeit, so könnten sie auch mehr Drittmittel einwerben. Dies stehe auch in Oxford auf dem Programm – nach den neuesten Kürzungen durch die konservativ-liberale Regierung.Nik Afanasjew

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