Vorentscheidung über die Exzellenzinitiative : Mit der Kraft des halben Herzens

Exzellenzuniversitäten: Bildungsministerin Johanna Wanka glaubt selbst nicht, dass mehr Elite zumutbar ist. Ein Kommentar.

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Eine Frau hält Ihre Hand in einen künstlich erzeugten Regenbogen und verzieht dabei das Gesicht.
Hinsichtlich der Zukunft der Exzellenzinitiative ist der politische Wille von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) nicht...Foto: imago/Christian Thiel

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will keine „Bundesunis“ schaffen. Darauf legt sie Wert. Zwar will der Bund die im Jahr 2019 acht bis elf gekürten Exzellenzunis dauerhaft kofinanzieren – ein Novum in der deutschen Hochschullandschaft, das die Auserwählten gegenüber anderen Unis privilegiert. Aber der Bundesanteil soll so moderat sein, dass sie „Länderunis“ bleiben.

Wanka sagt nicht, wozu sie die Bundesfinanzierung will

Das passt zu Wankas blasser Art zu regieren. Anstatt ihrem neuartigen Vorhaben politischen Schwung zu verleihen, indem sie es auf einen zukunftsweisenden Begriff bringt, präsentiert sie es als uninteressantes „Weiter wie gehabt“. Wozu sie die neue dauerhafte Bundesfinanzierung eigentlich will, darüber schweigt Wanka seit Monaten. Will sie wie die Unionsfraktion mittelfristig eine kleine Elite von drei bis fünf international sichtbaren Spitzenunis etablieren? Oder teilt sie die Sorgen der Skeptiker, ein Zwei-Klassen-System werde auf Kosten der Mehrheit der Unis gehen?

Der Bundeszuschuss verschafft entscheidende Spielräume

Wankas politischer Wille ist nicht zu erkennen. Der Beschluss über die nächste Runde der Exzellenzinitiative, den Bund und Länder an diesem Freitag in Berlin getroffen haben, lässt entsprechend Raum für Interpretationen. Denn natürlich nehmen jene Unis, die ab 2019 dauerhaft Bundesmittel bekommen, in der ersten Klasse Platz. Selbst wenn der Bundeszuschuss nur klein ist, verschafft er ihnen im unterfinanzierten Uni-System entscheidende Spielräume. Das symbolische Kapital, das hier gebildet wird, ist ebenfalls nicht zu verachten. Außerdem könnte der Bund nach ein paar Jahren den Geldhahn für seine happy few weiter aufdrehen.

Ein Abstieg bleibt wie bisher möglich

Möglicherweise soll die neue dauerhafte Bundesfinanzierung aber gar nicht radikal einzelne Unis ins internationale Spitzensegment befördern, sondern sie nur sanft stimulieren. Denn die Politiker haben die möglichen Wirkungen abgemildert. Nach sieben Jahren soll eine Evaluation entscheiden, ob die Unis dieser Förderung noch würdig sind. Der Abstieg bleibt also wie bisher in der Exzellenzinitiative möglich, völlig dauerhaft ist die neue Förderung nicht.

Auch sollen sich mehrere Unis gemeinsam im Verbund bewerben – gut für jene Unis, die alleine nicht forschungsstark genug für das Elitelabel sind. Bund und Länder betonen sogar, auch kleine Unis müssten von den Exzellenz-Juroren berücksichtigt werden.

Wieder nur ein typischer föderaler Kompromiss?

All dies mag wirken wie ein typischer föderaler Kompromiss. Allerdings ist mehr politisch gemachte Elite der Hochschullandschaft im Moment wohl kaum zuzumuten. Denn dort bleiben die größten Probleme ungelöst: Bund und Länder privilegieren die außeruniversitären Einrichtungen gegenüber den Universitäten deutlich. Wegen der klammen Länderkassen wächst die Abhängigkeit der Unis von eingeworbenen Drittmitteln. Das schränkt die Forschungsfreiheit bereits ein. Und es führt dazu, dass noch nie so viele Wissenschaftler prekär beschäftigt waren wie jetzt.

Vielleicht hat Wanka ja wirklich etwas gegen Bundesunis und nicht nur gegen den Begriff. Angesichts der Probleme wäre das nur gut.

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