Vornamen-Studie : Immer noch schlechtere Noten für Kevin

24.08.2010 13:55 Uhr
Während es Kevin in der Schule schwer hat, darf sich Maximilian freuen. Foto: dpa
Während es Kevin in der Schule schwer hat, darf sich Maximilian freuen. - Foto: dpa

Bekommt Kevin wegen seines Vornamens schlechtere Noten in der Schule als Maximilian? Ja, haben Oldenburger Wissenschaftler in einer Folge-Studie herausgefunden, in der sie den Zusammenhang zwischen Namen und Notengebung analysierten.

"Aufgaben, die unter dem Namen Maximilian verfasst wurden, erhielten zum Beispiel eine bessere Bewertung als die gleichen Aufgaben unter dem Namen Kevin“, sagte Prof. Astrid Kaiser vom Institut für Pädagogik am Dienstag. Die Unterschiede waren allerdings so gering, dass sie nur eine Viertelnote ausmachten.

Für ihre Masterarbeit hatte eine Pädagogikstudentin mehr als 200 Grundschullehrern die schriftlichen Antworten von Kindern auf Aufgaben aus dem Sachunterricht vorgelegt. Diese sollten die Lehrer nach Rechtschreibung, Stil, Inhalt und Gesamtnote auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten.    

Die Lösungen stammten immer von denselben Kindern, mal trugen sie aber einen mit Vorurteilen belasteten Vornamen wie Kevin oder Celina, mal einen positiv empfundenen wie Maximilian und Charlotte. Bei der Auswahl der Namen stützte sich die Studentin auf eine vorangegangene Studie der Oldenburger Arbeitsstelle für Kinderforschung, die gezeigt hatte, dass Lehrer Vorurteile gegenüber bestimmten Vornamen haben.

In der aktuellen Arbeit wichen die Bewertungen der Lehrer stark von einander ab, teilweise variierten sie um neun Punkte. Das führte Wissenschaftlerin Kaiser darauf zurück, dass die Notengebung bei offenen gestellten Fragen selten objektiv ist. Zugleich zeigte sich aber auch, dass die Vornamen die Bewertungen zusätzlich beeinflussten - vor allem bei Jungen.    

"Insgesamt konnten wir feststellen, dass Jungen aufgrund eines vorurteilbehafteten Namens schlechter bewertet werden als Mädchen", sagte die Erziehungswissenschaftlerin. Auch bei der ersten Studie hatten die Testpersonen die weiblichen Vornamen weniger negativ eingeschätzt als die männlichen.    

Das liegt nach Angaben von Kaiser daran, dass Lehrer generell mehr Vorbehalte gegenüber Jungen haben. Dass diese schlechter in der Schule seien, könnte also nicht nur an ihren Leistungen liegen, sondern auch an der Wahrnehmung der Lehrer, folgerte die Professorin. (dpa)

So kommentierten unsere Autoren Bernd Matthies und Amory Burchard die Studie aus dem Jahr 2009:

Vom Kevinismus zum Schantall
Kevin ist keine Name, sondern eine Diagnose

Heinz Sielmann Stiftung

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