• Vorwürfe gegen FU-Institutsleiter Siebenhaar: „Demütigend, respektlos, cholerisch“

Vorwürfe gegen FU-Institutsleiter Siebenhaar : „Demütigend, respektlos, cholerisch“

Studenten eines Prestige-Studiengangs der FU Berlin bezichtigen Institutsdirektor Klaus Siebenhaar, Studierende beleidigt und unter Druck gesetzt zu haben. Der Professor streitet das ab.

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Studierende sitzen in einer Bibliothek an Tischen und arbeiten.
Harte Arbeit. Streit gibt es am Institut, ob Studierende neben dem Masterprogramm auch jobben dürfen.Foto: Thilo Rückeis

Der Master „Arts and Media Administration“ am Institut für Kultur- und Medienmanagement der FU ist unter Studierenden begehrt: 300 bis 500 Bachelor-Absolventen bewerben sich hier jedes Jahr auf 25 bis 27 Plätze – obwohl sie Berufserfahrung im Kulturbereich nachweisen müssen und obwohl das Studium 500 Euro im Semester kostet. Das Institut gilt als Prestige-Einrichtung der FU. Wer genommen wird, lernt bei Praktikern aus Wirtschaft und Kultur, in Praxisprojekten organisieren die Studierenden selbst Kulturveranstaltungen, zum Beispiel in China.

Doch nun erheben aktuelle und ehemalige Studierende schwere Vorwürfe gegen den Direktor und einzigen hauptamtlichen Professor des Instituts, Klaus Siebenhaar. Dessen Verhalten und Tonfall gegenüber den Studierenden sei „demütigend, respektlos und cholerisch“, berichtet eine Absolventin des Studiengangs, die anonym bleiben möchte. Konkret habe er zum Beispiel zu einer Studentin gesagt, sie sei „nur eine sexuelle Projektionsfläche für Männer“, zu einer anderen, wenn er sie schon sehe, müsse er „kotzen“.

Mehrere Studierende bestätigen, dass diese und weitere Aussagen gefallen seien. Zudem sei die Notengebung am Institut teilweise willkürlich. Es gebe viele Verstöße gegen die Prüfungsordnung, wie zum Beispiel zu kurze mündliche Prüfungen. Auch müssten die Studierenden in den Praxisprojekten unbezahlt wochenlang „Arbeit für Prestige-Veranstaltungen des Instituts leisten“ und dafür teilweise auch eigenes Geld auslegen. Wer neben dem Studium jobben oder Praktika machen wolle, werde von Siebenhaar „psychisch fertiggemacht“.

"Nicht herumsäuseln, sondern eine klare Sprache sprechen"

Dem Tagesspiegel liegt außerdem die Weiterleitung einer E-Mail vor, in der Siebenhaar Studierenden durch eine Mitarbeiterin mit Exmatrikulation droht, falls sie ihre Hausarbeitsthemen nicht innerhalb von zwei Tagen überarbeiteten. In einer anderen E-Mail schreibt er einer Studentin auf ihre Nachfrage, warum sie eine schlechtere Note bekommen habe als angekündigt, diese verstricke sich in „immer heillosere Lügengespinste“.

Siebenhaar weist die Vorwürfe entschieden zurück. „Es ist bekannt, dass wir am Institut nicht herumsäuseln, sondern eine klare Sprache sprechen, auch wenn das nicht dem Zeitgeist entspricht“, sagt er am Telefon. „Aber diese Zitate sind völlig aus dem Zusammenhang gerissen und so nie gefallen.“ In persönlichen Perspektivgesprächen gebe er den Studierenden „mit großer Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein“ Feedback zu ihrer Entwicklung.

"Wir sind ein Hochleistungsstudiengang"

Richtig sei aber, dass in den Praxisprojekten hart gearbeitet werden müsse. Diese seien ein normaler Teil des Curriculums, eine Bezahlung sei deswegen nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Dafür könnten die Studierenden ihr Projekt frei wählen. „Die meisten bewerben sich bei uns gerade wegen dieser Angebote“, sagt Siebenhaar. Selten bekomme das Institut für die Projektarbeit auch Drittmittel von Unternehmen. Letztlich kämen diese aber allen Studierenden zugute, „denn sie fließen ja in die Infrastruktur des Instituts“.

Es stimme auch, dass er Nebenbeschäftigungen nicht gerne sehe, sagt Siebenhaar. „Wir sind ein Hochleistungsstudiengang. Ich kann Praktika juristisch nicht verhindern, aber schon in den Auswahlgesprächen mache ich Bewerbern klar, dass sie sich ausschließlich auf das Studium und die wichtigen Praxisprojekte konzentrieren müssen.“ Im Studium herrsche kein unzumutbarer Druck, sondern eine anspruchsvolle Arbeitsatmosphäre. Diese sei nötig zur Vorbereitung auf den Kulturbetrieb.

Der Asta machte die Vorwürfe zuerst öffentlich

Siebenhaar vermutet, dass der Asta hinter den Anschuldigungen steckt: Wegen einer „Personalie“ sei er vor einiger Zeit als Institut mit Unterstützung des Dekanats und der Studierenden gegen Vertreter der Studierendenvertretung vorgegangen, nun folge deren „Rachefeldzug“, indem sie die Arbeit des Instituts diskreditierten. Zu Einzelheiten der „Personalie“ will Siebenhaar sich nicht äußern.

Tatsächlich hat der Asta den Fall als Erster öffentlich gemacht: „Vor über einem Jahr haben sich bei uns Studierende mit haarsträubenden Berichten aus dem Institut gemeldet“, erzählt ein Asta-Vertreter, der nicht namentlich genannt werden möchte. Einem Aufruf, weitere Erfahrungsberichte einzureichen, seien weitere Beschwerden gefolgt. Studierendenvertreter informierten daraufhin das Präsidium der FU, den Verantwortlichen des Fachbereichs, die Senatsverwaltung für Bildung und die Berliner Linksfraktion über die Beschwerden. Von einem Problem mit einer „Personalie“, das Siebenhaar mit ihnen zu klären gehabt habe, sei ihnen nichts bekannt. „Wir führen keinen Rachefeldzug, sondern reagieren lediglich auf die Berichte der Studierenden.“

Die Unileitung sieht keine Anhaltspunkte für Missstände

Aus einer schriftlichen Anfrage des Linke-Abgeordneten Wolfgang Albers im Abgeordnetenhaus geht hervor, dass FU-Präsident Peter-André Alt der Senatsverwaltung im Oktober auf Nachfrage mitteilte, die Überprüfung des Sachverhalts habe keine Anhaltspunkte für Missstände ergeben (hier). Doch die Studierenden glauben nicht, dass genau genug geprüft wurde. Aktuell wollte sich die Unileitung auf Anfrage des Tagesspiegels nicht äußern.

Der Asta lässt sich juristisch zu dem Fall beraten. Prüfen lässt er unter anderem, ob es rechtens ist, dass über 50 Prozent der Leistungspunkte im Master von Siebenhaar und seiner Frau, der Instituts-Geschäftsführerin Dagmar Boeck, vergeben werden. Die Studierenden sehen sich in einer starken Abhängigkeit vom Leitungsteam. Kritik sei dadurch lange unterdrückt worden.

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