Wissen : Warum Metastasen wuchern

Natürliche Bremse für Krebs versagt

Lebensbedrohlich ist meist nicht die Krebsgeschwulst selbst. Es sind vielmehr ihre Absiedlungen, die Metastasen. Wer einen Weg findet, um das Entstehen von Metastasen unterdrücken zu können, hätte das Krebsproblem weitgehend gelöst. Einen Schritt in diese Richtung sind jetzt amerikanische Forscher gegangen. Sie fanden eine Reihe wichtiger körpereigener Moleküle, die das Streuen eines Tumors unterdrücken können. Über ihre Arbeit berichten Joan Massagué und Kollegen vom New Yorker Memorial- Sloan-Kettering-Krebszentrum im Fachblatt „Nature“ (Band 451, Seite 147).

Mit Hilfe von Genchips – speziellen Testverfahren – ist es heute möglich zu ermitteln, welche Erbanlagen in einer Krebszelle aktiv sind. So entsteht ein „Täterprofil“ der kranken Zelle. Man kennt bereits einige wichtige Gene, deren Überaktivität mit der Bildung von Metastasen, der Gefahr eines Rückfalls und schlechten Überlebenschancen einhergeht.

Die New Yorker wählten einen anderen Ansatz. Sie suchten nach Elementen in der Krebszelle, die „stromaufwärts“ die krebstreibenden Gene steuern, und wandten sich der Mikro-RNS zu. Das sind kurze Schnipsel aus RNS – chemisch nahe mit der Erbsubstanz DNS verwandt. Mikro-RNS blockiert Gene, die dem Körper aus welchen Gründen auch immer gefährlich werden können – wie die gefährlichen Krebsgene.

Wie die Wissenschaftler feststellten, funktioniert die natürliche Krebsbremse Mikro-RNS in menschlichen Brustkrebszellen nicht mehr richtig. Die Krebszellen produzieren nicht mehr ausreichend Mikro-RNS. Das führt dazu, dass sich die kranken Zellen leichter in fremde Organe ausbreiten und rascher wachsen.

Im Tierversuch gelang es den Forschern, diesen Trend umzukehren. Als sie Mäusen mit menschlichen Brusttumoren die fehlende Mikro-RNS zurück in die Krebszellen gaben, wurde die Entwicklung weiterer Metastasen gestoppt. „Unsere Ergebnisse können dazu beitragen, bessere Medikamente zur Verhütung oder Behandlung von Metastasen zu entwickeln“, hofft Massagué. wez

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