Wissen : Was die Charité heilt

Zöllner konkretisiert Pläne für Bundesbeteiligung

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„So zügig wie möglich“ soll der Bund bei der Berliner Charité mit dem Land kooperieren. Das erklärte Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) am Mittwoch anlässlich einer Sitzung des Wissenschaftsausschusses des Abgeordnetenhauses. Einen konkreten Termin nannte Zöllner für den Einstieg des Bundes in der Sitzung nicht. Er stellte nur in den Raum, Beschlüsse könnten vor dem Ende der aktuellen Legislaturperiode im Bund – also bis 2013 – verkündet werden. Dabei gehe es um die Zusammenführung der Forschung der Charité mit der des Max-Delbrück-Centrums (MDC). Für das gesamte Klinikum oder die Krankenversorgung sei eine Kooperation „nicht realistisch“.

 Noch halten sich die Beteiligten bedeckt, wie die Kooperation genau aussehen soll. Das Grundgesetz schließt eine institutionelle Finanzierung von universitären Einrichtungen durch den Bund aus. Umwege müssen gefunden werden oder das Grundgesetz geändert werden.

Zumindest Letzteres schloss Zöllner im Fall der Charité aus. Er könne „nur empfehlen, den Weg auf der Basis des jetzigen Grundgesetzes zu gehen“. Entscheidend sei, eine Lösung zu finden, die alle Bundesländer überzeuge, da diese dem Vorhaben zustimmen müssen. Daher müsse für die Charité eine Vereinbarung gefunden werde, „die in abgewandter Form auch anderswo Modell sein kann“. Das Modell müsse zudem so gestaltet sein, dass es „eine Perspektive für die Geisteswissenschaften“ und andere Bereiche darstelle. Zöllner nannte auch die Physik.

Die Äußerung Zöllners könnte man so interpretieren, dass bereits über weitere Standorte nachgedacht wird, an denen sich der Bund beteiligen will – auch wenn sich der Senator darüber in Schweigen hüllte. Er sagte lediglich, als Vorsitzender der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern sei er seit Monaten mit Schavan im Gespräch, wie eine institutionelle Zusammenarbeit von Bund und Ländern in der Wissenschaft aussehen könne.

Ein „Ansatzpunkt“ sei sicher der Weg wie beim KIT in Karlsruhe, bekräftigte Zöllner. Der Bund stieg dort über ein von ihm finanziertes außeruniversitäres Zentrum bei der Uni Karlsruhe ein. Diese Rolle würde in Berlin das MDC übernehmen. Charité und MDC hätten die Chance, gemeinsam zu den weltweit besten zehn Standorten in den Lebenswissenschaften aufzusteigen, sagte Zöllner, was auch der Charité-Vorstandsvorsitzende Karl Max Einhäupl und Dekanin Annette Grüters-Kieslich betonten. Als Modell nannte Zöllner zudem die vom Bund finanzierten nationalen Gesundheitszentren, bei denen Uniklinika und die Helmholtz-Gemeinschaft große Krankheitsbilder gemeinsam erforschen.

Die Berliner CDU hatte am Montag die Umwandlung der Charité in eine öffentlich-rechtliche Stiftung angeregt, an der Land und Bund gemeinsam beteiligt sind. Zöllner zeigte sich offen für diesen Vorschlag: Das sei eine „geeignete Rechtsform“. Das MDC müsse von Beginn an einbezogen werden, ansonsten sei eine Beteiligung des Bundes schwer denkbar.

In einer Aussprache hoben Vertreter aller Parteien die Chancen hervor, die eine Beteiligung des Bundes an der Charité biete. Einig waren sich die Parlamentarier, dass es „nicht darum geht, dass das klamme Berlin Geld abgreift“, wie Lars Oberg (SPD) formulierte. Vielmehr müssten sich Charité und MDC „qualitativ weiterentwickeln“. Oberg hob hervor, die Charité habe in den vergangenen Jahren „unter außerordentlich schwierigen Rahmenbedingungen hervorragende Arbeit geleistet“. Tilmann Warnecke

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