Wissen : Was für die TU wichtig werden soll

Wo sieht die Technische Universität Berlin ihre Zukunft? Präsident Jörg Steinbach will die TU wie berichtet auf fünf „Kompetenzfelder“ konzentrieren. Jetzt kommt Kritik, zumal aus der geisteswissenschaftlichen Fakultät. Sie fühlt sich durch die Felder Materialforschung, Mobilität, Nachhaltigkeit, Kommunikationstechnologie sowie Technik für das Gesundheitswesen marginalisiert. Es herrsche „Verwunderung und Enttäuschung darüber, dass die Geisteswissenschaften kaum eine Rolle spielen“, heißt es in einer Stellungnahme des Dekans Adrian von Buttlar für den Akademischen Senat (AS). Die TU gebe „einen wichtigen Wettbewerbsvorteil gegenüber unseren Konkurrenten“ preis.

Wie die AS-Sitzung am Mittwoch zeigte, sind die Profilfelder auch unter den Gremienmitgliedern nicht unumstritten. Zwar wurde das Konzept als wichtiger Vorstoß begrüßt. Doch der Chemiker Peter Hildebrandt bemängelte, die fünf Schwerpunkte würden „alle anderen TUs in ähnlicher Form haben“. Er könne daher die Kritik der Geisteswissenschaftler nachvollziehen. Selbst unter „Hardcore-Naturwissenschaftlern“ habe sich schließlich herumgesprochen, dass technische Forschung „auch etwas mit Ethik zu tun hat“. Der Philosoph Günter Abel forderte ein „Rahmenthema, das uns von anderen Unis unterscheidet“. Steinbach erwiderte, bei der Kritik aus den Geisteswissenschaften handele es sich um ein „Missverständnis“. Dass er den Bereich für wichtig halte, sollte bekannt sein.

Der Informatiker Hans-Ulrich Heiß kritisierte, das Präsidialkonzept drücke sich „um eine offensive Schwächen-Stärken-Debatte“. Er plädiere dafür, den Schwerpunkten nicht zu viel Gewicht beizumessen, da sie zu einer „Verkrustung“ führen könnten. Die Bauforscherin Dorothée Sack sagte, die Zukunftsfelder müssten „weit“ gefasst werden.

Eine wichtige Frage soll in der nächsten Sitzung diskutiert werden: Wo kürzt die Uni? Im Sommer hatte Steinbach prognostiziert, der TU könnten im Jahr 2018 bis zu 30 Millionen Euro fehlen, sollte die Uni nicht gegensteuern. Die Zahl bekräftigte Steinbach – und seinen umstrittenen Plan, mehr befristete und günstigere W2- und W1-Professoren zu berufen. So wolle er verhindern, Fachgebiete „willkürlich“ streichen zu müssen. tiw

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