Wissen : Was Korallenriffe retten könnte

Korallen zählen zu den faszinierendsten Organismen der Erde. Die von den Ausscheidungen der Nesseltiere geformten Riffe bilden den Lebensraum für tausende Arten von Fischen und anderen Meerestieren. Doch der Einfluss des Menschen droht die empfindlichen Ökosysteme rapide zu zerstören. Neue Erkenntnisse über die Physiologie der Tiere und ihr erstaunliches Zusammenleben mit Algen könnten es aber ermöglichen, zumindest einen Teil der Riffe zu retten.

Korallen leben in einer Symbiose mit Algen. Diese versorgen die Koralle mit großen Mengen Zucker und erhalten im Gegenzug Stickstoff. Allerdings beruht die Symbiose zum beidseitigen Nutzen auf einer delikaten Kommunikation zwischen beiden Organismen. „Obwohl die Koralle für einen Teil ihrer Nahrung von der Alge abhängt, ist sie sich deren Gegenwart möglicherweise nicht bewusst“, sagt die Zoologin Virginia Weis von der Oregon-State-Universität.

Dieses fein ausbalancierte System, so berichtet die Biologin im Magazin „Science“, wird durch den Einfluss des Menschen aus dem Gleichgewicht gebracht. „Wenn das Wasser sich erwärmt oder etwas anderes die Koralle stresst, bricht die Kommunikation zwischen Alge und Koralle ab, und die Botschaft ,Alles ist in Ordnung’ kommt nicht mehr an“, schreibt die Forscherin. „Damit wird die Alge enttarnt und von einer Immunreaktion der Koralle bedroht.“ Solche belastenden Veränderungen gibt es inzwischen reichlich: Neben dem Klimawandel leiden Korallen unter der Versauerung der Ozeane, die das äußere Kalkskelett angreifen. Schätzungsweise rund 20 Prozent der Korallenriffe sind schon abgestorben, weitere 24 Prozent akut bedroht.

„Mit den neuen Erkenntnissen können Korallenbiologen nun stärker über den Tellerrand hinausblicken“, sagt Weis. „Ein besseres Verständnis wird unsere Fähigkeit verbessern vorherzusagen, ob und wie sich Korallen dem Klimawandel anpassen und ihn überleben können.“ dpa

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