Wechselwirkung : Gut für den Magen, schlecht fürs Herz

Wenn Protonenpumpenhemmer und Clopidogrel genommen werden, ist Vorsicht geboten. Die Magenmittel können das Herzmittel schwächen.

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Die Aufregung war groß, als die amerikanische und die europäische Gesundheitsbehörde Ende 2009 vor der gleichzeitigen Einnahme des Gefäßmittels Clopidogrel und einiger Magenmedikamente aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer warnten.

Millionen von Menschen nehmen Clopidogrel nach Herzinfarkt oder Schlaganfall, um ihr Blut flüssig zu halten. Die Substanz, die die Blutplättchen hemmt, kommt auch häufig zum Einsatz, nachdem eine Gefäßstütze in die Herzkranzgefäße eingebaut wurde, ein Stent. Sie soll der Bildung von Blutgerinnseln vorbeugen, die die Stütze verstopfen könnten.

Clopidogrel muss nach dem Einsetzen eines Stents meist für einen Monat eingenommen werden. Wurde ein moderner Stent eingesetzt, der mit Arzneimitteln beschichtet ist, ist es aber auch ein halbes bis ein ganzes Jahr, bei bestimmten Krankheiten sogar lebenslänglich. Clopidogrel wird häufig mit der bewährten Acetylsalizylsäure (ASS) kombiniert. Das Problem: So gut ASS den Gefäßen tut, so gefährlich kann es für den Magen werden, dort kann es zu Schleimhautveränderungen und Geschwüren führen. Dagegen wiederum helfen die Protonenpumpenhemmer (PPI).

Doch dieses Dreierpack hat seine Tücken. Im Laborversuch zeigte sich, dass die Blutplättchen durch Clopidogrel weniger gehemmt werden, wenn gleichzeitig ein PPI genommen wird. Das gilt vor allem für den Wirkstoff Omeprazol. Der Magen-Beschützer setzt so den Herz-Beschützer teilweise außer Gefecht.

Dass die Wechselwirkung auch in der wirklichen Welt für Patienten gefährlich werden kann, ist zwar noch nicht ausgemacht: Die bisherigen Studien kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Aber rein logisch lässt sich gut nachvollziehen, wie es zu der Wechselwirkung kommt. Denn Clopidogrel und die PPIs sind Konkurrenten. Beide sind Vorstufen von Arzneimitteln, beide kommen mit dem Entgiftungsenzym CytochromP-2C19 in Berührung. Das Enzym aktiviert in Clopidogrel die Wirkung auf die Blutplättchen, es sorgt andererseits dafür, dass die PPIs nach getaner Arbeit aus dem Verkehr gezogen werden.

Was also tun, wenn sowohl das Gefäß- als auch das Magenmittel als Beschützer gebraucht werden? In der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ rät Joachim Labenz vom Evangelischen Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen zur Vorsicht. Wenn beide Substanzen nötig sind, sollten sie mit Abstand genommen werden, die eine morgens, die andere abends, das Magenmittel sollte zudem möglichst niedrig dosiert werden.

In der Realität sieht es oft anders aus: „Viele Patienten werden heute mit einer unnötig hohen Dosis therapiert“ kritisiert der Magen-Darmspezialist Heinrich Lübke vom Helios-Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf.

Leider ist es nicht in jedem Fall ein gutes Zeichen, wenn die Patienten ihre Magenbeschwerden mit wenig PPI in den Griff bekommen. Wie Labenz berichtet, sind zehn bis 15 Prozent der Europäer, aber bis zu 35 Prozent der Asiaten Träger einer genetischen Variante, die dazu führt, dass das Enzym CYP2C19 besonders langsam arbeitet. Die PPIs können so ihre Wirksamkeit besonders ausgiebig entfalten, weil sie nur zögernd abgebaut werden. Clopidogrel dagegen, dessen Aktivierung bei dieser Genvariante ohnehin beeinträchtigt ist, zieht den Kürzeren. 

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