wegen Aussetzung der Wehrpflicht : Mehr Plätze an den Hochschulen

Die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern haben am Montag in Berlin beschlossen, zusätzliche Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, um wegen der Aussetzung der Wehrpflicht neue Studienplätze zu schaffen.

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Wie viele der jungen Männer, die nun nicht mehr Wehr- oder Zivildienst leisten müssen, wirklich sofort studieren wollen, kann im Moment noch niemand sagen. Darum kalkulieren Bund und Länder mit einer Bandbreite: Für 45 000 bis 59 000 Studienplätze entstehen Mehrkosten von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro in den Jahren 2011 bis 2018. Um diese Summe wird die bisherige Finanzierungsobergrenze im Hochschulpakt von 3,2 Milliarden Euro (für 275 000 Studierende) auf 4,7 Milliarden Euro bis 2015 angehoben. Nach 2015 setzt die dritte Phase der mittelfristigen Finanzplanung für den Pakt bis zum Jahr 2020 ein.

Grundlage für die Berechnung der Studienplätze sind Kosten in Höhe von 26 000 Euro pro Studienplatz, die für vier Jahre Studiendauer einkalkuliert werden. Als man im Jahr 2006 die erste Phase des Hochschulpakts beschloss, legte man noch 22 000 Euro pro Platz zugrunde. Diese Summe war jedoch so knapp bemessen, dass man die teuren Plätze in den Ingenieurwissenschaften an den Universitäten kaum finanzieren konnte.

Dennoch hat sich gezeigt, dass von den Mitteln des Hochschulpakts nicht nur die vergleichsweise preisgünstigen Studienplätze in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften profitiert haben, sondern auch die Ingenieurwissenschaften. Dort stiege die Zahl der jährlichen Studienanfänger bis zum Jahr 2010 von 68 873 auf 93 187. Auch die Absicht des Hochschulpakts, die Zahl der Anfänger an den Fachhochschulen zu erhöhen, ist erreicht worden (um 38 Prozent).

Als der Hochschulpakt im Jahr 2006 beschlossen wurde, dachten die Politiker von Bund und Ländern an die Versorgung der letzten geburtenstarken Jahrgänge und an die doppelten Abiturientenjahrgänge. Deswegen wurde der Hochschulpakt für drei mittelfristige Finanzplanungen von 2007 bis 2020 konzipiert.

Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan sagte, dass sich der Hochschulpakt als ein außerordentlich flexibles Instrument erwiesen habe. Als man 2006 mit den Planungen startete, sei die Aussetzung der Wehrpflicht noch nicht vorhersehbar gewesen. Außerdem gingen die Politiker von einer Stagnation der Studienanfängerzahlen aus. Damals wollten nur 36 Prozent der Jugendlichen eines Jahrgangs studieren und nicht wie heute 46 Prozent. Um auf den begrüßenswerten Andrang zu reagieren, hätten Bund und Länder nicht wie geplant nur 91 000 neue Studienplätze bis zum Jahr 2010 finanziert, sondern 180 000. Die Folge: Der Bund verdoppelte seine Aufwendungen in dieser Zeit von einer Milliarde auf zwei Milliarden Euro. Jetzt werde man auf den zusätzlichen Andrang reagieren, indem der Bund seine bis zum Jahr 2010 kalkulierten Mittel in den Jahren 2011/12 an die Länder verteile.

Die Opposition geht dennoch davon aus, dass Bund und Länder weit weniger Studienplätze als nötig schaffen. Der SPD-Experte Swen Schulz rechnet mit einem Bedarf von über 500 000 neuen Plätzen in den Jahren 2011 bis 2015. Bund und Länder gehen jedoch von nur 334 000 zusätzlichen Plätzen aus. Die Grünen befürchten, für die ehemals Wehrdienstpflichtigen werde zunächst zu wenig Geld da sein, da der Bund den Ländern erst nachträglich die Paktmittel überweist. So würden viele Studierwillige keinen Platz finden.

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