Wissen : Weiter Streit über Virusforschung Experte fordert Moratorium

Ein gefährliches Vogelgrippevirus, das Forscher im Labor erzeugt haben, führt weiter zu Diskussionen. Der Beraterausschuss für Biosicherheit (NSABB) im US-Gesundheitsministerium hatte bereits empfohlen, die Forschungsarbeit nicht in voller Länge zu publizieren, um Terroristen keine Bauanleitung für eine Biowaffe zu bieten. Nun berichtet der Online-Dienst des Fachmagazins „Science“, dass das Gremium auch ein Moratorium für die Veröffentlichung ähnlicher Studien erwägt.

Der Plan: Forscher sollen Ergebnisse zur Übertragbarkeit von H5N1-Viren in Säugetieren für eine gewisse Zeit weder veröffentlichen noch auf wissenschaftlichen Konferenzen präsentieren. Die Auszeit würde es Experten erlauben, Risiken und Nutzen dieser Forschung international zu diskutieren, sagte Paul Keim. Der Forscher leitet den NSABB-Ausschuss.

Die Vogelgrippe H5N1 infiziert selten Menschen und breitet sich kaum von Mensch zu Mensch aus. Infektionen führen aber in 60 Prozent der Fälle zum Tod. Forscher in den Niederlanden und den USA hatten den Erreger so verändert, dass er sich über die Luft von Frettchen zu Frettchen ausbreitet. Frettchen gelten als das beste Tiermodell für Influenzainfektionen beim Menschen.

Die Nationalen Gesundheitsforschungsinstitute (NIH) der USA in Bethesda hatten die Studien finanziert, um die Infektionsgefahr des H5N1-Virus besser einschätzen und Vorbeugung treffen zu können. Beide Arbeiten hätten gezeigt, dass das Infektionspotenzial des Virus für Säugetiere – Menschen eingeschlossen – deutlich größer ist als bisher angenommen, teilten die NIH jetzt mit.

Offenbar waren schon fünf Veränderungen im Viruserbgut ausreichend, um das Virus so gefährlich zu machen. Welche Mutationen genau es waren, soll nach den Wünschen des NSABB ein Geheimnis bleiben. Viele Forscher kritisieren, das Vorgehen verstoße gegen jegliche wissenschaftliche Praxis. kkp/dpa

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