Wenige Studierende, viel Aufwand : Was tun mit den Mini-Studiengängen?

Im weiterführenden Master gibt es viele Mini-Studiengänge. Sie binden Lehrkapazität, die woanders fehlt. Die TU Berlin diskutiert nun, ob sie sich die leisten kann.

von
Lernen in der Kleingruppe. In manchen Studiengängen gibt es weniger als 20 Studierende pro Jahr.
Lernen in der Kleingruppe. In manchen Studiengängen gibt es weniger als 20 Studierende pro Jahr.Foto: TUB/Dahl

Biologische Chemie, Gebäudeenergiesysteme oder Scientific Computing – an der TU Berlin gibt es zahlreiche spezialisierte kleine Studiengänge, die meisten davon im weiterführenden Masterbereich. Oft bieten diese Studiengänge nur wenige Studienplätze an: In sieben Masterstudiengängen können sich an der TU weniger als 20 Studierende pro Semester einschreiben, in weiteren zwölf weniger als 30.

"Das Personal fehlt anderswo"

Doch kann sich eine Uni solche „Ministudiengänge“ überhaupt leisten? Diese Frage warf auf der letzten Sitzung des Akademischen Senats (AS) Hannelore Reiner von den nicht wissenschaftlichen Mitarbeitern auf. Zwar würden eng zugeschnittene Studiengänge im weiterführenden Bereich zur – auch von der Politik geforderten – Profilierung einer Uni beitragen, gestand Reiner zu. Es sei aber zweifelhaft, ob sich der Aufwand lohne. Insbesondere, weil gute Studiengänge eigene, neue Lehrmodule bräuchten, die Lehrkapazität binden würden. „Das Personal fehlt dann anderswo“, sagte Reiner. Bei neuen Masterstudiengängen müsse man künftig vorab eruieren, ob sie tragbar seien.

Mehr Studiengänge im Master als im Bachelor

An den anderen Berliner Unis sieht die Lage ähnlich aus. Obwohl nur 21 Prozent der Studierenden im weiterführenden Master eingeschrieben sind, 68 Prozent dagegen im Bachelor, gibt es dennoch deutlich mehr Master- als Bachelorstudiengänge. Im Leistungsbericht der Hochschulen hat der Senat das kritisiert: Die Diversifizierung des Lehrangebots habe ein „kritisches Maß“ erreicht, hieß es – eben weil im Master für wenige Studierende zu viel Personal gebunden werde. Das fehlt dann in überlaufenen Bachelorstudiengängen, wo sich oft hunderte Studierende in einem Jahrgang drängen.

An der TU plädierten jetzt mehrere AS-Mitglieder dafür, die Zahl der Masterstudiengänge noch einmal zu überdenken. Der Studierendenvertreter Patrick Schubert schlug vor, wie früher beim Diplom mehr Vertiefungsmöglichkeiten in bestehenden Studiengängen anzubieten: „Es muss ja nicht immer gleich ein eigener Studiengang sein.“ Die Soziologieprofessorin Nina Baur forderte eine „Mindestgröße“ für Masterstudiengänge. Man könne sich an der Kapazitätsverordnung orientieren, die 30 Studierende pro Lehrmodul vorsehe. Das werde zwar auch erreicht, wenn Studierende mehrerer Studiengänge ein Modul besuchten, was die TU oft so handhabe: „Das ist aber erfahrungsgemäß ein sehr großer Koordinierungsaufwand.“ Einige Professoren wie der Biotechnologe Roland Lauster forderten, die Uni müsse einmal eingerichtete Studiengänge besser evaluieren: „Wenn wir dauerhaft nur sieben Interessenten für einen Studiengang haben, müssen wir das natürlich kritisch hinterfragen.“

Der Aufwand der Verwaltung ist groß

Allerdings verteidigten viele AS-Mitglieder grundsätzlich die kleinen Studiengänge. Christian Schröder, Vorsitzender der Kommission für Lehre und Studium des AS, sagte, der Charme des Bachelor- und Mastersystems bestehe ja gerade darin, dass Studierende nach dem Bachelor in spezialisierten Masterstudiengängen ihren Schwerpunkt noch einmal wechseln könnten. Die Informatikerin Anja Feldmann sagte, kleine Masterstudiengänge würden Interdisziplinarität befördern. Ohnehin würden kleine Kohorten den Studierenden „ein ganz anderes Zusammengehörigkeitsgefühl“ geben.

Für den Landschaftsplaner Johann Köppel liegt das Problem vor allem beim großen Verwaltungsaufwand: „Es ist unglaublich, wie viele Leute für das Prüfungs- und Studiengangsmanagement gebraucht werden.“ Wenn die TU hier effektiver werde, sei schon viel gewonnen – eine Meinung, der sich mehrere AS-Mitglieder anschlossen.

TU-Präsident Christian Thomsen sieht eher die Vorteile der Profilierung durch spezialisierte Studiengänge. Wenn neue Studiengänge auf bestehende Module zurückgreifen könnten, sei das Investment nicht zu hoch. Die Kommission für Lehre und Studium soll nun Argumente für und gegen Ministudiengänge zusammenstellen, Kosten prüfen und Vorschläge für ein effizienteres Studiengangsmanagement erarbeiten. Wenn das Papier vorliegt, will die TU das Thema erneut diskutieren.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben