Wissen : Wenn die Intelligenz altert

Geistige Fitness liegt auch in den Genen.

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Wacher Geist. Neben guten Genen braucht das Hirn geistige Nahrung.Foto: Mike Wolff
Wacher Geist. Neben guten Genen braucht das Hirn geistige Nahrung.Foto: Mike WolffFoto: Mike Wolff HF

Wo waren doch gleich die Schlüssel zum Büro? Oder der Zettel, auf dem man sich eine wichtige Telefonnummer notiert hat? Nicht nur alte Menschen sind vergesslich. Bereits Mitte 40 nimmt die geistige Leistungsfähigkeit ab, berichteten Forscher kürzlich im „British Medical Journal“. Wie schnell es bergab geht, hängt jedoch nicht nur von der Umwelt, sondern auch von den Genen ab, schreibt nun ein britisch-australisches Team um den Psychologen Ian J. Deary von der University of Edinburgh im Fachjournal „Nature“.

Er und seine Kollegen untersuchten das Erbgut von 1940 Menschen, deren Intelligenz erstmals im Alter von 11 Jahren und dann erneut mit 65, 70 oder 79 Jahren getestet wurde. „Die Studie ist deshalb so wichtig, weil sie mehr als 50 Jahre kognitiver Stabilität oder Veränderung im Laufe des Lebens dokumentiert und gleichzeitig nach den Ursachen fragen kann“, sagt Deary.

Für die statistische Analyse bezogen die Wissenschaftler fast 600 000 Genorte (Single Nucleotide Polymorphisms, kurz: SNPs) im Erbgut ein. Stellt man sich die genetischen Informationen wie eine Autobahn vor, entspricht das 600 000 Schildern, die entlang der Straße aufgestellt wurden. Wie geistig fit jemand bis ins Alter ist, konnten sie zu mindestens 24 Prozent auf diese Genorte zurückführen. Vermutlich sei der Beitrag der Gene jedoch höher, schreiben Deary und seine Kollegen. Schließlich standen ihnen nicht die kompletten Genome der Studienteilnehmer zur Verfügung. Für diese These spreche auch, dass die Ergebnisse der Intelligenztests mit 11 Jahren und im Alter stark korrelieren. Außerdem seien die Schätzungen der Erblichkeit der Intelligenz mit 11 Jahren bereits weitgehend auf Erwachsenenniveau.

Ein bisschen Glück mit den Genen gehört also dazu, wenn man bis ins hohe Alter geistig fit bleiben will - auch wenn die genauen Mechanismen bislang noch unklar sind.

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