Wissen : „Wettbewerb fortsetzen“

Unionsländer setzen Schwerpunkt auf Forschung

Uwe Schlicht

Die Exzellenzinitiative soll fortgesetzt werden. Dies erfordert einen gezielten Ausbau der „Forschungspotenziale im gesamten Bundesgebiet, insbesondere in den neuen Ländern“. Das sind Kernaussagen des gemeinsamen Leitbildes für Wissenschaft und Hochschulen, auf die sich die Wissenschaftsminister der unionsregierten Länder jetzt geeinigt haben.

Die Minister wollen rechtzeitig vor den Beratungen über die mittelfristige Finanzplanung von Bund und Ländern der Jahre 2011 bis 2015 günstige Voraussetzungen für einen Schwerpunkt Wissenschaft schaffen. In der Wissenschaft sehen die CDU-Minister das Entwicklungsmedium der Zukunft: „Starke Wissenschaftsregionen sind auch Wachstumskerne“, sagte der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Jan-Hendrik Olbertz, gestern bei der Vorstellung der Leitlinien unter dem Motto „Wissenschaft schafft Zukunft“.

Die hervorragend bewerteten Projekte aus der ersten Runde der Exzellenzinitiative wären gefährdet, wenn der Wettbewerb nicht fortgesetzt würde, sagte der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg. Die jetzige Exzellenzinitiative läuft 2010 aus und wird von Bund und Ländern mit 1,9 Milliarden Euro gefördert. Der Wettbewerb, in dem bisher neun Hochschulen zu Eliteuniversitäten gekürt wurden, habe die Forschung entscheidend vorangebracht, hieß es. Seitdem würden weltweit die exzellenten deutschen Forschungszentren noch besser wahrgenommen. Auf der anderen Seite habe die Exzellenzinitiative die Unterschiede in der deutschen Forschungslandschaft stärker sichtbar gemacht. Olbertz macht für das schlechtere Abschneiden der Länder im Osten vor allem die fehlende kritische Masse verantwortlich.

Wie wichtig aber ist den Wissenschaftsministern die Fortsetzung des Hochschulpakts, mit dem bis 2020 Tausende zusätzlicher Studienplätze geschaffen werden sollen? In den Leitlinien ist der Hochschulpakt einer der letzten Punkte. Gleichwohl beschreiben die Minister den steigenden Fachkräftebedarf als große Herausforderung und fordern deswegen den zügigen Ausbau der Hochschulkapazitäten. Entschlossener zeigen sich die 40 bedeutendsten Unternehmen der deutschen Wirtschaft in der Initiative „Bachelor welcome“. Sie haben kürzlich erklärt, der Hochschulpakt müsse fortgesetzt und besser finanziert werden, weil sich 2011 bis 2020 die letzte Chance biete, Fachkräfte aus dem eigenen Land zu qualifizieren.

Beim Hochschulpakt geht es um ganz andere Beträge als bei der Exzellenzinitiative: 2011 bis 2015 werden für den Aufbau neuer Studienplätze fünf Milliarden Euro benötigt und für eine bessere Betreuung der Bachelor- und Masterstudenten 5,5 Milliarden Euro. Olbertz verwies darauf, dass Bund und Länder die Forderung des Wissenschaftsrats nach jährlich zusätzlich 1,1 Milliarden Euro zur Verbesserung der Lehre mitgetragen haben. Jetzt komme es darauf an, die Umsetzung auch finanziell abzusichern. Von der Wirtschaft verlangen die Unionsminister ein verstärktes finanzielles Engagement in der Forschung, bei Stiftungsprofessuren und Stipendien. Uwe Schlicht

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