Wissen : Wie das Gefühl für Mathe entsteht Bei Drittklässlern verändert sich das Gehirn

Mit Erfahrung. Drittklässler gehen beim Rechnen wesentlich routinierter vor als Schüler der zweiten Klasse. Foto: TSP/Heinrich
Mit Erfahrung. Drittklässler gehen beim Rechnen wesentlich routinierter vor als Schüler der zweiten Klasse. Foto: TSP/Heinrich

Zweitklässler lösen Mathematikaufgaben noch alle auf die gleiche Weise, Drittklässler jedoch wählen je nach Aufgabentyp schon unterschiedliche Strategien. Das ist das Fazit von Wissenschaftlern aus den USA und Kanada, die die Gehirne der Grundschüler beim Arbeiten gescannt hatten. Zudem zeigte sich bei den Älteren eine intensivere Aktivität im Arbeitsgedächtnis. Demnach erlebt das kindliche Gehirn offenbar im zweiten bis dritten Schuljahr einen Reifeprozess, besonders beim mathematischen Verständnis, berichtet das Team um Miriam Rosenberg-Lee im Fachblatt „NeuroImage“ .

„Das ist kein kleiner Schritt“, sagt Mitautor Vinod Menon von der Universität Stanford. „An diesem Punkt durchlaufen das Gehirn und seine Funktionen größere Veränderungen.“ Die Forscher hatten 90 Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren, die gerade von der zweiten in die dritte Klasse gekommen waren, getestet und beobachtet. In diesem Alter lernen und üben die Grundschüler grundlegende mathematische Fertigkeiten. Die Versuchsleiter ließen ihre Probanden einfache Aufgaben des Typs 3+1=4 und schwierigere wie 8+5=13 rechnen. Mithilfe der Magnetresonanztomografie beobachteten sie derweil deren Gehirnaktivität.

Es zeigte sich, dass die jüngeren Kinder alle Matheaufgaben mit derselben Strategie zu lösen versuchten. Die älteren Kinder aber wandten offenbar je nach Aufgabentyp unterschiedliche Varianten an. Im Hirnscan ließ sich bei der zweiten Gruppe auch eine erhöhte Gehirnaktivität im Arbeitsgedächtnis beobachten – sie bewirkt, dass eine Aufgabenstellung routinierter bearbeitet werden kann. „Diese Ergebnisse zeigen, dass selbst die Spanne von nur einem Jahr zwischen der zweiten und der dritten Klasse deutliche Veränderungen in der Hirnreaktion und -verknüpfung bedeuten“, schreiben die Forscher. Deshalb müsse man bei Studien zur Hirnfunktion im Kindesalter darauf achten, die Daten nicht aus einer zu großen Altersgruppe zu wählen. wsa

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