Wie weiter mit der Exzellenzinitiative : Die Unis brauchen einen großen Wurf

Der Bund muss dauerhaft in die Finanzierung der Hochschulen einsteigen – für eine starke Breite und eine starke Spitze.

Edelgard Bulmahn
Hoch hinaus. Eine starke Spitze muss nicht auf Kosten der Breite gehen, meint die frühere Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn. Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb
Hoch hinaus. Eine starke Spitze muss nicht auf Kosten der Breite gehen, meint die frühere Bundesbildungsministerin Edelgard...Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Exzellenzinitiative soll nach 2017 weitergehen, da ist sich die Politik einig. Gestritten wird aber über das Wie. Die Unionsfraktion im Bundestag hält am Wettbewerb zwischen ganzen Unis fest. Mittelfristig soll es nur vier bis fünf Exzellenzunis in Deutschland geben. Aktuell sind es elf. Die SPD-Fraktion hingegen will keinen Wettbewerb zwischen ganzen Unis mehr. Stattdessen will sie neben großen „Exzellenznetzwerken“ auch „regionale Verbünde“ mit „Partnern aus den Fachhochschulen oder der Wirtschaft“ fördern. – Edelgard Bulmahn, Vizepräsidentin des Bundestages, hat die Exzellenzinitiative vor über zehn Jahren als Bundesbildungsministerin ins Leben gerufen. Sie weicht von dem Vorschlag ihrer Fraktion ab. Für den Tagesspiegel hat sie aufgeschrieben, wie sie sich die deutsche Hochschulpolitik vorstellt. Tsp

In unserer heutigen Welt besitzen Hochschulen für die kulturelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eine Schlüsselrolle. Die Bedeutung der Hochschulen wird weiter wachsen, sowohl für die Ausbildung der jungen Generation, für Wissenschaft und Forschung sowie als Ort wichtiger gesellschaftspolitischer Debatten. Ihre umfassenden Aufgaben werden Hochschulen für unsere Gesellschaft allerdings nur dann bewältigen können, wenn sie über ausreichende und verlässliche Finanzmittel verfügen, durch bildungs- und wissenschaftsfreundliche Rahmenbedingungen unterstützt werden und eine hohe gesellschaftliche Wertschätzung erfahren.

In der deutschen Debatte wird immer wieder ein Gegensatz zwischen der Förderung internationaler Spitzenforschung und einer Breitenförderung konstruiert, als ob dies Gegensätze seien. Beides ist notwendig, eine Spitze kann sich nur auf einer guten, breit angelegten, leistungsfähigen Hochschullandschaft entwickeln und eine gute Breitenförderung muss durch eine Spitzenförderung ergänzt werden, um Entwicklungen voranzutreiben. Es ist deshalb Aufgabe der Wissenschaftspolitik beides zu gewährleisten: die Sicherstellung einer ausreichenden Grundfinanzierung (Breitenförderung) und die besondere Förderung ressourcenaufwändiger Spitzenforschung.

Die Hochschulen sind dramatisch unterfinanziert

Zurzeit sind die Hochschulen jedoch dramatisch unterfinanziert. Die jährliche Finanzierungslücke wird vom Wissenschaftsrat auf vier Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommt die wachsende Schieflage zwischen der zu geringen Grundfinanzierung und einer zunehmenden Drittmittelabhängigkeit.

Diese wachsende Abhängigkeit von Projektmitteln verwehrt den Hochschulen die nötige Planungssicherheit und erschwert eine langfristig angelegte Personalpolitik. Mangelnde Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs und ein Mangel beim wissenschaftlichen Personal für die Lehre sind die eine Folge, übervolle Seminare und Vorlesungen eine andere. Wissenschaftliche Karrieren sind in Deutschland schlechter planbar als in vergleichbaren Ländern und münden nur allzu oft in befristeten Anstellungen. Die Juniorprofessur sollte deshalb konsequent mit einem Tenure-Track verbunden werden. Weitere verlässliche Karrierewege sollten eröffnet werden, wie zum Beispiel entsprechende Lecturer-Stellen beziehungsweise Lehrprofessuren und eine Erhöhung der Zahl der W2- und W3-Professuren. Schließlich birgt – und das sollte man nicht vergessen – die unzureichende Grundfinanzierung stets die Gefahr einer Vernachlässigung der sogenannten kleinen Fächer.

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