Wissen : „Wir blicken zwanzig Jahre voraus“ Die TU baut auf den Rat erfahrener Manager

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Die TU Berlin modernisiert ihre Fachgebiete. Dazu hat sie Experten aus Industrie und Wirtschaft als Paten eingeladen. Bernhard Bürklin stand den TUBauingenieuren zur Seite. Herr Bürklin, wie wird man Pate von Professoren?

Dahinter steckt eine Idee, die Hans-Peter Keitel, der Vorstandsvorsitzende unseres Unternehmens, aufgebracht hat. Als er Präsident der Gesellschaft von Freunden der TU Berlin war, schlug er vor, der Universität erfahrene Manager zur Seite zu stellen, damit die Hochschule den schwierigen Reformprozess besser bewältigen könne.

Ihr Chef hat es versprochen, und Sie mussten den Job übernehmen ...

Als Leiter der Unternehmensentwicklung bei Hochtief führe ich selbst Einstellungsgespräche mit Absolventen und habe einen guten Überblick, wo die Reise in der Branche hingeht. So fiel mir diese Aufgabe fast naturgemäß zu, ich habe sie gern übernommen. Außerdem war ich nicht allein: Drei Kollegen aus anderen Unternehmen haben sich ebenfalls als Paten engagiert. Uns bot sich die einmalige Gelegenheit, mit den Professoren der TU gemeinsam an neuen Ausbildungsprofilen für die Bauingenieure zu arbeiten.

Waren die Bauingenieure, die an der TU ausgebildet wurden, den Anforderungen der Branche nicht mehr gewachsen?

Wer heute studiert, wird in zehn bis zwanzig Jahren die wichtigsten Entscheidungen in der Bauwirtschaft fällen. So weit müssen wir wenigstens nach vorn blicken, zumal sich die Branche in enormem Wandel befindet. Wie das Bauingenieurwesen an der TU Berlin übrigens auch: Nur noch elf Professuren sind vorgesehen. Davon stehen acht zur Neuausschreibung an oder wurden in den zurückliegenden Monaten neu besetzt. Lehrte man früher Betonbau, Stahlbau oder Holzbau als getrennte Fächer und Lehrstühle, müssen die Absolventen heute moderne Methoden des materialübergreifenden Entwerfens und Konstruierens kennen, müssen Bauprojekte moderieren und gemeinsam mit Experten anderer Fachgebiete realisieren.

Also weg vom Spezialisten, hin zur Breite?

Bauingenieure müssen Menschen führen und Projekte managen. Anders als mit dem Internet und Managementsoftware sind die Berge von Papier und der Zeitdruck gar nicht mehr zu bewältigen. Wir brauchen keine autistischen Tüftler, sondern Ingenieure, die ihr Handwerkszeug verstehen, über vertieftes Fachwissen in einem Gebiet verfügen und Menschen zusammenbringen. Sie müssen Ideen präsentieren und wirtschaftliche Grundkenntnisse haben. Sie müssen nicht unbedingt wissen, wie man ein Computerprogramm schreibt. Doch sie müssen kommerzielle Software einsetzen können und die verfügbaren Werkzeuge kennen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Wie erwähnt, läuft das Projektmanagement zwischen allen Beteiligten heutzutage weitgehend elektronisch über das Internet. Wir sind auch in der Lage, die geplanten Gebäude dreidimensional darzustellen, um die Bauprozesse schon vor dem ersten Spatenstich zu optimieren. Es gibt sogar virtuelle Modelle, in denen ein Bauvorhaben vierdimensional abgebildet werden kann, da spielt der Zeitfaktor mit hinein: Man kann im Computer modellieren, wie es in den verschiedenen Projektstufen wächst.

Welche weiteren Schwerpunkte wird die TU bei den Bauingenieuren setzen?

Das Projektmanagement wird sich wie ein roter Faden durch das Studium ziehen, vom Genehmigungsverfahren über die Bauvorbereitung und das Managementwissen bis hin zur Realisierung. Das soll eine Besonderheit der TU Berlin werden. Dazu gehört, dass wir die Professur für Bauinformatik neu ausrichten. Innovative Bereiche wie die Baukonstruktion werden gestärkt und exzellente Fachleute berufen. Dort entsteht Innovation. Wir werden eine Professur zur Systemtechnik baulicher Anlagen vorschlagen, die sich der Aufgabe widmet, die Einzelteile eines Gebäudes zusammenzufügen. Dahinter steckt ein hoher logistischer Aufwand. Andererseits wird die TU frühere Spezialgebiete wie den Bau von Talsperren oder Dämmen aufgeben. Da sind andere Hochschulen stärker.

Fragen von Heiko Schwarzburger.

Bernhard Bürklin ist bei der Essener Hochtief AG für die strategische Ausrichtung und das Innovationsmanagement zuständig. Hochtief ist der drittgrößte Baukonzern auf der Welt.

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