Wissen : Wirbeltiere: Jede fünfte Art in Gefahr Studie auf UN-Konferenz in Nagoya vorgestellt

Mehr als jede fünfte Wirbeltierart weltweit ist vom Aussterben bedroht. Zu diesem Ergebnis kommen die Weltnaturschutzunion (IUCN) und eine internationale Forschergruppe im Fachjournal „Science“. Sie präsentieren die Studie am heutigen Mittwoch auf der UN-Artenschutzkonferenz in Nagoya/Japan. Die Erkenntnisse sind alarmierend: Insgesamt 52 Säugetiere, Vögel und Amphibien klettern jährlich auf der Gefährdungsskala der Roten Liste einen Schritt nach oben.

„Ein kleiner Schritt nach oben auf der Liste ist ein riesiger Sprung in Richtung Aussterben“, warnt der amerikanische Ökologe Edward O. Wilson. Seiner Ansicht nach zeigt die Studie nur einen winzigen Ausschnitt des Artenverlustes. Eine Hauptursache des Artenrückgangs ist die Zerstörung von Lebensräumen. Besonders dramatisch sei der Einbruch der Tierarten in Südostasien, wo Palmölplantagen und Reisfelder immer mehr Urwaldfläche verschlingen.

Die Studie dokumentiert aber auch, dass die Anstrengungen im Umweltschutz der vergangenen Jahre weltweit Früchte tragen. So galt etwa der kalifornische Kondor schon als ausgestorben. In den 80er Jahren gab es nur noch wenige Individuen in Gefangenschaft. Durch ein umfangreiches Zucht- und Auswilderungsprogramm kreisen in diesem Jahr wieder 200 Exemplare in freier Natur.

Auf der UN-Artenschutzkonferenz sicherte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) zehn Millionen Euro für die Erhaltung tropischer Wälder zu. Das Geld soll in einen Weltbank-Fonds eingespeist werden, aus dem Projekte in Tropenländern gefördert werden. Röttgen will eine Studie in Auftrag geben, die den ökonomischen Wert der biologischen Vielfalt in Deutschland bewerten soll.

Ein Zusammenschluss aus Umweltorganisationen sieht die UN-Artenschutzkonferenz kurz vor dem Scheitern – und warnt die deutsche Delegation davor, in Nagoya als Bremser aufzutreten. „Von der Vorreiterrolle, die Deutschland so gerne für sich beansprucht, ist hier nichts zu sehen“, sagte Jürgen Meier vom Forum Umwelt und Entwicklung. dpa

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