Wissenschaft in Berlin : Berliner FHs forschen gemeinsam

Vier Hochschulen gründen neues Institut für gemeinsame Projekte in der angewandten Forschung mit Berliner Unternehmen.

Amory Burchard

In einem „Institut für angewandte Forschung“ wollen die Berliner Fachhochschulen künftig gemeinsame Forschungsprojekte mit Unternehmen anschieben. Die Gründungssatzung unterschrieben am gestrigen Dienstag Vertreter der Präsidien der Beuth-Hochschule für Technik, der Hochschule für Technik und Wirtschaft, der Hochschule für Wirtschaft und Recht und der Alice-Salomon-Hochschule. Vor allem die Zusammenarbeit mit kleineren und mittleren Unternehmen, die keine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung haben, solle verbessert werden, sagte Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner.

Die Firmen erhofften sich einen schnelleren Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis, erklärte Werner Gegenbauer, Ehrenpräsident der IHK Berlin und designierter Vorsitzender des Vereins, der das Institut tragen soll. Das Institut solle eine „one-stop-agency“ für Unternehmer sein, die Entwicklungsprobleme gemeinsam mit FHs realisieren wollten.

Finanziert wird das Institut aus dem Masterplan „Wissen schafft Berlins Zukunft“. Es erhält jährlich zwei Millionen Euro vom Land, zusätzliche Mittel soll es beim Bundesforschungsministerium, der EU und bei Firmen einwerben. Die Mittel sollen in Projekte fließen, an denen mindestens zwei Hochschulen beteiligt sind, – und für Freistellungen der Forscher.

Die hohe Lehrverpflichtung der FH-Professoren ist bislang das größte Hindernis für Forschung an den Fachhochschulen. 18 Semesterwochenstunden müssen die Hochschullehrer unterrichten, doppelt so viel wie ihre Kollegen an den Unis. Durch das Institut werde die Arbeit an einer FH für Nachwuchswissenschaftler von Universitäten noch attraktiver, sagte Reinhard Thümer, Präsident der Beuth-Hochschule, dem Tagesspiegel. Sie hätten im Ausland geforscht und Projekte geleitet. Diese könnten sie nun leichter an den Berliner FHs fortsetzen.

Mit den neuen interdisziplinären Forschungsprojekten wollten die FHs auch die Universitäten überzeugen, „dass wir attraktive Partner sind“, sagte Thümer. „Wir wollen zeigen, dass wir keine Schmuddelkinder sind.“ Weil die Unis Vorbehalte gegenüber FH-Absolventen hätten, kämen kooperative Promotionen, bei denen je ein Professor der FH und der Uni den Doktoranden betreuen, zu selten zustande. Promotionsprojekte einzurichten, ist ein ausdrückliches Anliegen des Instituts für angewandte Forschung.

Jede der vier beteiligten Hochschulen soll ein Kompetenzzentrum einrichten, das dann die Forschungspotenziale der jeweiligen FH am Institut vertritt. Angesiedelt wird das Institut in der Außenstelle der Beuth-Hochschule in der Kurfürstenstraße (Schöneberg). Die Geschäftsstelle soll bis Ende 2009 arbeitsfähig sein. Pilotprojekte gebe es noch nicht, sagte Thümer. Amory Burchard

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