Wissenschaft und Kunst : Neue Denkbilder

13.01.2012 00:00 Uhrvon

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften setzt das Thema „ArteFakte. Wissen ist Kunst – Kunst ist Wissen“. Der Aufruf zur interdisziplinären Zusammenarbeit wird spannend.

Beide Akademien forschen in unterschiedlichen Galaxien

Jetzt liegen beide Akademien, die der Künste am Pariser Platz und die der Wissenschaften am Gendarmenmarkt, noch immer ganz im Zentrum. Aber Dichter und Denker scheinen oft genug durch geistige Welten getrennt zu sein. Genauer gesagt gilt dies bereits innerhalb der Wissenswelten, weil die traditionellen Geisteswissenschaften und die modernen Naturwissenschaften, die im Englischen als „humanities“ und als „sciences“ schon begrifflich getrennt werden, zwar im selben Universum forschen, aber gleichsam in unterschiedlichen Galaxien. Wer über den Subtext eines Eichendorff–Verses oder die ikonographische Variante eines Motivs der Kunstgeschichte brütet, ist in seiner intellektuellen Kompetenz inhaltlich kaum mehr dem Verdampfen der Schwarzen Löcher im All, der physikalischen String-Theorie oder biochemischen Molekularprozessen gewachsen. Und umgekehrt.

Wie gewagt und vernünftig, wie verwegen, ein bisschen verrückt und wie nötig wirkt es da, dass die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften als Jahres-Motto für ihre Ausstellungen und zahlreiche Veranstaltungen nun diese Doppelthese gewählt hat: „Wissen ist Kunst – Kunst ist Wissen“.

Das Motto stimmt, so sehr, wie es zugleich fragwürdig ist. Also der Fragen, der Debatten, des Nachdenkens würdig. Denn genau das, was hier für die Sphären der Imagination und des Intellekts wechselweise behauptet und beschworen wird, ist eben nicht mehr selbstverständlich.

Mit einem gewissen Neid müssen Geisteswissenschaftler konstatieren, dass spätestens seit der Erleuchtung durch die Elektrizität und seit den von Max Planck kurz darauf, im Jahr 1900, in Berlin erstmals formulierten Grundlagen der Quantenphysik das ohnehin strapazierte Prädikat der „Innovation“ fast ausschließlich noch bei naturwissenschaftlichen Erkenntnissen oder technologischen Erfindungen einen Sinn ergibt.

Der „uomo universale“ wurde als Künstler, Naturwissenschaftler und Ingenieur einst ideal verkörpert von Leonardo da Vinci. Goethe war noch Dichter, Finanzminister, Mineraloge, Theaterintendant, Farbenlehrer und manches mehr. Als weltreisender Naturforscher und Sammler hat den enzyklopädischen Wissenshunger in alle irdischen Höhen und Tiefen dann Alexander von Humboldt getrieben, der sich 1807 für Berlin ein Universalmuseum unter der Ägide der Akademie der Wissenschaften wünschte. Knapp 150 Jahre später starb das seit Humboldt wohl berühmteste (wegen der Nazibarbarei 1933 ausgetretene) Mitglied der Akademie, ohne seinen Lebenstraum erfüllt zu haben: Albert Einstein hatte die für die Erklärung des Universums und die Vereinigung seiner Allgemeinen Relativitätstheorie mit der Quantenphysik ersehnte „Weltformel“ nie gefunden.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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