Wissenschaft und Kunst : Die Weltverbesserungsmaschine

Ein kuratorisches Projekt und eine museale Erzählung über die verloren gegangene Einheit von Kunst und Wissenschaft.

Friedrich von Borries,Jens-Uwe Fischer
Das Projekt . „Die Weltverbesserungsmaschine“ stellt eine besondere Form der musealen Wissensinszenierung dar: die Verknüpfung von wissenschafts- und kulturhistorischer Forschung mit einer narrativen, kuratorischen Inszenierung, die die Grenzen von Wissen und Nichtwissen, von Fakten und Fiktion auslotet. Der für 2013 geplante Parcours durch verschiedene Berliner Museen, Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen, verbindet auf innovative Weise verschiedene Artefakte und damit Institutionen über die Erzählung zur Konstruktion der Weltverbesserungsmaschine.
Das Projekt . „Die Weltverbesserungsmaschine“ stellt eine besondere Form der musealen Wissensinszenierung dar: die Verknüpfung von...Abbildung: Friedrich von Borries

Kunst und Wissenschaft wird die Fähigkeit zugeschrieben, eine enorme Wirkung auf die Gesellschaft entfalten zu können. Ihnen wohnt das Versprechen inne, bei der Überschreitung der Grenzen zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit zur Weltverbesserung beizutragen. Viele Künstler und Wissenschaftler setzten und setzen sich bewusst dieses Ziel. Wenn nun Kunst und Wissenschaft miteinander verschmelzen, muss daraus beinahe zwangsweise eine ideale Weltverbesserungsmaschine entstehen.

Und tatsächlich gibt es bereits seit dem 17. Jahrhundert im Geheimen den Plan, einen solchen Mechanismus zur Weltverbesserung zu bauen. Die Gründungen der Akademie der Künste im Jahr 1696, der Akademie der Wissenschaften im Jahr 1700 und der Staatlichen Museen zu Berlin waren wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Realisierung dieser Idee. Wenn auch offiziell getrennt forschend, dienten die Akademien und Museen einem gemeinsamen Ziel: dem Bau dieser geheimnisvollen Maschine.

Die herausragenden Gelehrten ihrer Zeit arbeiteten in Berlin an diesem Werk mit. Genannt seien nur: Gottfried Wilhelm Leibniz, Jacob Paul von Gundling, Voltaire und Pierre-Louis Moreau de Maupertuis, Eberhard von Danckelmann, Bernhard Rode und Daniel Nikolaus Chodowiecki, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Rudolf Virchow und Wilhelm von Bode.

Nun wird der Versuch unternommen, diese geheimnisvolle Maschine und ihre Geschichte zu rekonstruieren. Denn erst jüngst wurde dieses Geheimprojekt zwischen Wissenschaften und Künsten wieder in die Erinnerung gerufen. So haben eine Reihe von Manuskripten, die in einer Geheimschrift verfasst worden sind, sowie Karten und Pläne in den Archiven der DDR-Akademien überdauert. Heute befinden sie sich in Privatbesitz und konnten Dank neuester Computerlinguistik decodiert werden.

Im Rekonstruktionsversuch kommen viele bislang unbekannte Details der Berliner Kunst- und Wissenschaftsgeschichte zu Tage. So basiert die Weltverbesserungsmaschine auf der Annahme, dass einzig durch die richtige Zusammenstellung bestimmter Wissens- und Erkenntnisträger, also von Artefakten aus Kunst und Wissenschaft, die Welt verbessert werden könne. Welche Teile hierfür notwendig wären und die korrekte Ordnung der Dinge herauszufinden, sei sowohl die Aufgabe der Wissenschaften als auch der Künste – so die im 18. Jahrhundert ausformulierte Haltung. In den im 19. Jahrhundert gegründeten Museen sollten dann auch die notwendigen Erkenntnisträger, die möglicherweise für den Bau der Maschine in Frage kämen, gesammelt und archiviert werden. Zu diesem Zweck wurden künstlerische und wissenschaftliche Produkte aus der ganzen Welt zusammengetragen, die bis heute in den Berliner Museen aufbewahrt werden und den Reichtum an Exponaten in den Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ausmachen.

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