Wissenschaft und Kunst : Neue Denkbilder

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften setzt das Thema „ArteFakte. Wissen ist Kunst – Kunst ist Wissen“. Der Aufruf zur interdisziplinären Zusammenarbeit wird spannend.

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Zukunftsmusik. Der Künstler und Architekt Tomás Saraceno entwirft schwebende Städte und erforscht die Möglichkeiten fliegender Behausungen. Begleitend zu der Ausstellung „Tomás Saraceno. Cloud Cities“ im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin fand im Dezember 2011 das transdisziplinäre Symposium „Reale Utopien?“ mit dem Künstler, Wissenschaftlern und Architekten statt. Foto: Tomàs Saraceno
Zukunftsmusik. Der Künstler und Architekt Tomás Saraceno entwirft schwebende Städte und erforscht die Möglichkeiten fliegender...

Es ist der alte Traum von einer höheren Einheit der Künste und der Wissenschaften: von ihrer musischen wie auch erkenntnisliebenden Bruder- und Schwesternschaft. Ganz allgemeingebildet haben ihn zuletzt die Enzyklopäden des ausgehenden 17. und des 18. Jahrhunderts geträumt, zu denen ja auch der in Jurisprudenz und Mathematik, in der Gesteinskunde, Geschichtswissenschaft und über allem in der Philosophie bewanderte Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz gehörte. Leibniz verdankt sich im Berlin des Jahres 1700 die Gründung der zuerst noch als „Societät“ firmierenden Akademie der Wissenschaften, nachdem vier Jahre zuvor die (anfangs auf Malerei, Skulptur und Architektur beschränkte) Akademie der Künste ins Leben gerufen wurde.

Beide Institutionen hatten ihre Vorbilder in Paris und London, doch das waren die Hauptstädte großmächtiger Weltreiche. Auch ließ sich im zersplitterten Duodezfürstendeutschland an so etwas wie eine übergreifend repräsentative National-Akademie noch nicht denken. Eher glich es einer ambitionierten Verwegenheit des Brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III., zwei solche Sammlungsorte der Künstler und Gelehrten in der Kleinstadt Berlin mit ihren damals gerade 20 000 Einwohnern zu befördern. Indes wurde aus dem Brandenburgischen Kurfürsten schon 1701 Preußens erster König, nunmehr Friedrich I., und heute, im Jubiläumsjahr seines Enkels Friedrich II., wirkt es durchaus bedenkenswert, dass Preußens Aufstieg von der Provinz zu einem ausstrahlenden Staatswesen mindestens symbolisch nicht mit militärischem Pomp, sondern mit den Wirkkräften des Geistes und der Künste begann.

Geist und Kunst hausten, was ihre Berliner Akademien anging, gleich Unter den Linden, zusammen mit den Pferden freilich des Königs und seinen Kutschen unter einem Dach. Hegel und nebenan die Universität kamen erst ein Jahrhundert später, aber der Weltgeist ritt in Preußen gleich neben den königlichen Gäulen. Auch das verhieß – eine gewisse Wertschätzung. Vor allem aber: Kunst und Wissenschaften bedachten sich und einander dort, wo heute die Staatsbibliothek steht, in einem gemeinsamen Haus.

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