Wissenschaft und Religion : Wie vernünftig ist der Glaube?
Günter M. Ziegler, Mathematiker an der FU Berlin.
Günter M. Ziegler, Mathematiker an der FU Berlin.Foto: Thilo Rückeis

Günter M. Ziegler, Mathematiker, FU Berlin:

Natürlich haben Glaube und Vernunft gar nichts miteinander zu tun, und das weiß auch der Herr Ratzinger. Insofern stehen sie auch nicht im Widerspruch. Glaube steht immer außerhalb des Vernünftigen, und das ist auch gut so. Das macht ja Glaube (vielleicht) nicht unnötig; Vernunft bleibt nötig. Ich vertrete ja eine Wissenschaft, die absolute und ewig gültige Einsichten und Erkenntnisse anzubieten hat – aber eben auch eine Wissenschaft, die Begriffe wie „wissen“ und „vermuten“, „beweisen“ und „verstehen“ sauber trennt, und die auch über ihre eigenen Limitierungen tiefe Einsichten anzubieten hat.

Wir Mathematiker sind stolz auf diese Einsichten, feiern die Jubiläen: Vor 80 Jahren publizierte Kurt Gödel seine berühmte Arbeit „Über formal unentscheidbare Sätze...“, die unüberwindbare Grenzen des Beweisens aufzeigt. Und im kommenden Jahr feiern wir den 100. Geburtstag von Alan Turing, der als erster „Berechenbarkeit“ formalisiert und „Nichtberechenbarkeit“ nachgewiesen hat. Wenn nur Theologen und Moralprediger die Grenzen ihrer Erkenntnis und ihrer Aussagen und Vorschriften ähnlich scharf erkennen könnten...

Teil2: Gerhard Roth, Hirnforscher an der Uni Bremen

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