Wissenschaftsdiplomatie beim DAAD : Forscher als Brückenbauer

Wenn politische Kanäle versagen, kann oft die Wissenschaft helfen - zum Beispiel in Syrien.

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Begrüßungstreffen der DAAD-Stipendiaten im Programm „Führungskräfte für Syrien“ im Weltsaal des Auswärtigen Amtes. Foto: Stephan Maria Rother/Societätsmedien
Begrüßungstreffen der DAAD-Stipendiaten im Programm „Führungskräfte für Syrien“ im Weltsaal des Auswärtigen Amtes.Foto: Stephan Maria Rother/Societätsmedien

Der Krieg in Syrien behindert seit Jahren wissenschaftliches Arbeiten an den dortigen Hochschulen. In vielen afrikanischen Ländern legen verfeindete Regierungen Akademikern Steine in den Weg. Auch in Europa tun sich Gräben zwischen Staaten auf. Die Türkei ist nur ein Beispiel dafür. Welche Auswirkungen der Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union haben wird, ist unklar.

Auf die Wissenschaft als Verbindung zwischen den Nationen, als besondere Form der Diplomatie, setzen daher viele Akademiker, die in Ländern mit politisch schwierigen Bedingungen leben. Vor allem dann, wenn offizielle Kanäle eingeschränkt werden oder sich Regierungen aus politischen Gründen nicht mehr viel zu sagen haben.

Margret Wintermantel, Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), spricht von der Wissenschaft als Brückenbauer. „Der wissenschaftliche Austausch ist ein Band, an dem sich der Dialog zwischen Nationen festhalten kann“, sagt Wintermantel. Auch dort, wo man es nicht unbedingt erwarte, fördere die Wissenschaft den Dialog zwischen Zivilgesellschaften. „Bildung und Forschung kennen keine Grenzen“, sagt die DAAD-Präsidentin.

Den Wissenschaftlern geht es in ihrer Arbeit weniger um politische Macht, sondern um Ergebnisse, um Kooperationen für neue Erkenntnisse in ihrem Forschungsgebiet. „Der akademische Austausch ermöglicht den konstruktiven Dialog zwischen Nationen und Kulturen, weil er sich an den Werten und methodischen Standards der Wissenschaft orientiert“, sagt Wintermantel. „Das gemeinsame Arbeiten, Lernen und Forschen fördert dabei das gegenseitige Verständnis, und verbessert und beschleunigt den gemeinsamen Erkenntnisprozess.“

Die Geförderten können helfen, ihr Land später wieder aufzubauen

„Die Welt ist aus den Fugen geraten“ – diesen Satz hat der heutige Bundespräsident und ehemalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) geprägt. Mit den Krisen der Welt ist auch der Austauschdienst stärker denn je gefordert. Seit rund 90 Jahren gibt es den DAAD bereits; er kennt sich also aus mit schwierigen Länderkonstellationen. Gründe keine Kooperationen einzugehen, gibt es nur wenige. Etwa, wenn die Sicherheitslage es nicht erlaubt – Wissenschaftler gefährdet sind.

In Krisengebieten wie der Ukraine, Syrien oder dem Irak unterstützt die Organisation junge Menschen dabei, ein Studium anzutreten, fortzuführen oder abzuschließen. Es geht den Geförderten nicht nur um einen guten Abschluss. Sie bekommen die Chance den Staat nach dem Ende des Krieges oder der gewaltsamen Auseinandersetzungen wieder aufzubauen. Das gilt für Ingenieure, für Juristen, für Betriebswirte, genauso wie für Kultur- und Sozialwissenschaftler.

„Wir wissen, dass junge Menschen aus der ganzen Welt, die in Deutschland studiert haben, in ihrer Heimat anschließend Verantwortung übernehmen und Positionen bekleiden, in denen sie wichtige Entscheidungen treffen“, sagt Wintermantel. Der wissenschaftliche Austausch unterstütze damit nicht nur inhaltliche Erfolge, sondern auch Freundschaften über politische und ideologische Grenzen hinweg.

Der DAAD präsentiert sich bei der "Langen Nacht der Ideen" am 12. Mai von 18 bis 23 Uhr im Wissenschaftsforum Berlin, Markgrafenstraße 37, 10117 Berlin, sowie von 12 bis 23 Uhr in der "daadgalerie",Oranienstraße 161, 10969 Berlin.

Weitere Texte zum Thema Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik finden Sie auf unserer Themenseite Menschen bewegen.

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