Wissenschaftsrat zur BTU Cottbus : „Wir-Gefühl an der BTU Cottbus“

Nach der umstrittenen Hochschulfusion bestätigt der Wissenschaftsrat der BTU Cottbus ein "Wir-Gefühl". Das Zusammenwachsen brauche aber noch eine Dekade.

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Eine Frau geht auf einer zweifarbig gestalteten Wendeltreppe nach oben.
Doppelstrukturen hinterfragt. Der Wissenschaftsrat weist auf den hohen Aufwand für parallele Uni- und FH-Studiengänge hin.Foto: Patrick Pleul/dpa/dpaweb

Die fusionierte Brandenburgische Technische Universität Cottbus befindet sich auf einem guten Weg, wird im Detail in vielen Punkten aber noch nacharbeiten müssen. So lässt sich eine Stellungnahme des Wissenschaftsrats zur lange umstrittenen Hochschulfusion in der Lausitz zusammenfassen. Der im vergangenen Spätsommer vorgelegte Hochschulentwicklungsplan sei grundsätzlich als „ausgesprochen positiv und weitgehend tragfähig und konsistent“ zu bewerten, sagte Manfred Prenzel, der Vorsitzende des wichtigsten Beratungsgremiums für die Wissenschaft, am Montag in Berlin.

Die Fusion mit der FH Lausitz kam unter großem Protest zustande

An der BTU sei ein „Wir-Gefühl“ entstanden, es bestehe eine große Bereitschaft, den Hochschulentwicklungsplan gemeinsam umzusetzen. Diesen Eindruck habe der Wissenschaftsrat bei Gesprächen vor Ort gewonnen. Allerdings stehe der Fusionsprozess weiter „noch am Anfang“, sagte Prenzel: „Es wird eine Dekade dauern, bis er abgeschlossen ist.“

Die Fusion der „alten“ BTU mit der Fachhochschule Lausitz hatte 2013 Wissenschaftsministerin Sabine Kunst durchgesetzt – unter großem Protest vor allem von Universitätsangehörigen. Auch weil die Suche nach einem ersten Präsidenten zäh verlief, ließ ein Hochschulentwicklungsplan auf sich warten. Dieser wurde erst mit dem Amtsantritt von Jörg Steinbach 2014 in Angriff genommen und dann im vergangenen September verabschiedet.

Weitgehende Integration von Uni- und FH-Forschung empfohlen

Ein zentrales Element sind gemeinsame Fakultäten der ehemaligen FH- und Unibereiche – und nicht, wie ursprünglich vorgesehen, separate „FH-Fakultäten“ und „Uni-Fakultäten“. Hier stützt der Wissenschaftsrat die integrative Herangehensweise der BTU. Er empfiehlt sogar eine weitergehende Integration von Uni- und FH-Forschung. Die Forschungsschwerpunkte müssten zudem noch mehr geschärft werden.

Die Idee, in vielen Fächern anwendungsorientierte und forschungsorientierte Studiengänge vorzuhalten und Wechsel zwischen den Schwerpunkten zu ermöglichen, sieht der Wissenschaftsrat prinzipiell ebenfalls positiv. Allerdings seien parallele Studiengänge mit einem hohen Ressourcenaufwand verbunden, der nur bei einer hohen Auslastung zu rechtfertigen sei. Hier müsse die BTU überlegen, ob sie nicht gerade im Bachelor die Zahl der Studiengänge reduziert.

Sinn und Zweck der Fusion an sich wurden nicht begutachtet

Könnte die BTU ein Vorbild für Fusionen von Hochschulen in anderen strukturschwachen Regionen sein, war die Fusion überhaupt der grundsätzlich richtige Ansatz? Darauf gibt die Expertise des Wissenschaftsrats keine Antwort. Auch Prenzel wich der Frage aus. Er sagte lediglich, er habe mitbekommen, dass andere Hochschulen genau in die Lausitz gucken.

Für BTU-Präsident Jörg Steinbach ist die Stellungnahme des Wissenschaftsrats ein „Ritterschlag“: „Wir hätten uns kein besseres Gutachten wünschen können.“ Auch die kritischen Punkte seien nachvollziehbar, häufig aber dem frühen Zeitpunkt der Begutachtung geschuldet. Er hofft nun, dass das Land der Universität tatsächlich zehn Jahre Zeit und Ruhe für die Umsetzung gibt.

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