Wissenschaftsstaatssekretär Husung : "Zu Panik besteht kein Anlass"

Sind die Forderungen der Universitäten gerechtfertigt? Hans-Gerhard Husung, Wissenschaftsstaatssekretär in Berlin, gibt Auskunft.

Herr Husung, sind die Forderungen der Berliner Universitäten gerechtfertigt?

Die Themen, die die Hochschulen ansprechen, sind plausibel. Allerdings sind noch nicht alle Risiken, wie die Alterseinstufung beim BAT, letztinstanzlich geklärt. Der Wissenschaftssenator ist wie die Hochschulen der Meinung, dass eine angemessene finanzielle Ausstattung der Hochschulen eine Grundvoraussetzung für ihre Wettbewerbsfähigkeit ist. Auch der Regierende Bürgermeister hat seine Prioritätensetzung mit dem Masterplan für die Berliner Wissenschaft zum Ausdruck gebracht.

Haben die Unis wirklich alle Sparpotenziale ausgeschöpft?

Mit dem neuen gemeinsamen Gebäudemanagement könnten die Unis sparen. Prinzipiell sehe ich aber kein systematisches Sparpotenzial mehr.

Die Unis drohen damit, 15 000 Studienplätze abzubauen.

Ich bin nicht bereit, eine solche Drohung zu kommentieren, da ich sie als Teil der von den Hochschulen gewählten Verhandlungsstrategie ansehe. Zur Panik besteht kein Anlass.

Im vergangenen Sommer gab Zöllner bekannt, er wolle die Spitzenforschung mit jährlich 35 bis 40 Millionen Euro fördern. War da schon klar, wie stark die Kosten für die Universitäten steigen würden?

Das eine hat mit dem anderen nicht unmittelbar zu tun. Der Masterplan dient der Spitzenförderung sowie der Verbesserung der Qualität der Lehre und dem Ausbau der Studierchancen. Die Hochschulverträge gelten der Sicherung des Bestandes und der Perspektiven.

Für FU und TU ist die Erhöhung der Grundfinanzierung existenziell, die Superstiftung wird als Luxus betrachtet.

Es würde mich sehr wundern, wenn FU und TU die Spitzenforschung als Luxus betrachten. Für Berlin ist es notwendig, den Hochschulen eine angemessene Grundfinanzierung zu gewähren und die Ziele des Masterplanes zu realisieren. Es ist eine Addition der Wirkung und keine Subtraktion der Mittel.

Die Unis sagen, die Verhandlungen über die neuen Etats müssten sofort beginnen.

Gerade erst haben mich auch die Unterlagen der Fachhochschulen erreicht. Erst auf dieser Grundlage können wir Verhandlungen führen. Ende September spricht der Senator mit den Unis über das Verfahren.

Muss die Debatte nicht schnell beendet werden, um den Ruf der Berliner Wissenschaft nicht erneut zu beschädigen?

Bis 2010 ist die Finanzierung der Unis ja sicher. Die Universitäten beschreiben ein Szenario, an dessen Vermeidung wir durch die Verhandlung über die Hochschulverträge nach Kräften arbeiten werden. Mit Blick auch auf die Exzellenzinitiative ist mein Rat an die Universitäten, die Verhandlungen besser nicht über die Medien zu führen.

Die Fragen stellten Amory Burchard und Anja Kühne.

Hans-Gerhard Husung (58) ist seit 2006 Wissenschaftsstaatssekretär in Berlin. Zuvor leitete er die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.

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