Wissen : Wunden lecken

Wie die TU Berlin auf die Enttäuschung im Elitewettbewerb reagiert

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Foto: TU/Böck
Foto: TU/Böck

Seit vielen Jahren sieht sich die Technische Universität Berlin als deutsche Spitzenuniversität. Die jeweiligen Präsidenten, ob sie Hans-Jürgen Ewers, Kurt Kutzler oder Jörg Steinbach heißen, pflegten einen Schwebezustand zwischen Masterplänen sowie Anspruch und Wirklichkeit, ohne zu verdeutlichen, wo die TU eigentlich aktuell im Ranking steht. Im Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft jedenfalls ist die TU Berlin vom einst 16. Rang inzwischen auf dem 27. unter 40 leistungsstarken Unis zurückgefallen. Die TU Dresden dagegen ist auf den 18. Rang vorbeigezogen  – und das schmerzt die TU Berlin besonders. Als sich abzeichnete, dass Dresden in der zweiten Runde des Exzellenzwettbewerbs ein umfassendes Konzept für den Elitestatus würde ausarbeiten dürfen, ahnte die TU Berlin, dass sie chancenlos sein würde. So jedenfalls formulierte es jetzt TU-Präsident Jörg Steinbach vor dem Akademischen Senat (AS).

Inzwischen sind die Stellungnahmen jener internationalen Experten, die als Gutachter für die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den Wissenschaftsrat im Exzellenzwettbewerb tätig geworden sind, der TU übermittelt worden. Hatte die TU in der ersten Runde des Wettbewerbs noch eine Graduiertenschule und einen Exzellenzcluster in der Forschung zugesprochen bekommen, so ist sie in der aktuellen Runde schon im Vorentscheid mit allen Vorhaben ausgeschieden. Die TU hatte fünf Antragsskizzen für Forschungscluster, eine Skizze für eine Graduiertenschule und ein Konzept für ihre Zukunftsgestaltung eingereicht. Kein Konzept konnte bestehen.

Vor dem AS erläuterte die Erste Vizepräsidentin, Ulrike Woggon, die Kritik der Gutachter. Die Gutachter seien von dem Zukunftskonzept der TU nur in Teilen überzeugt gewesen. So sei die Entwicklung, die die TU in den letzten Jahren genommen habe – genannt wurde die große Steigerung bei den Drittmitteln – positiv bewertet worden. Trotz origineller Visionen und eines an sich vernünftigen Konzepts hätten die Gutachter Zweifel geäußert, „ob die TU genügend Kraft zur Umsetzung des Zukunftskonzepts in dem geplanten Zeitraum“ habe. Die Vision des Zukunftskonzepts sei zu ehrgeizig. Außerdem sei die Analyse der Stärken und Schwächen der TU nicht überzeugend ausgefallen.

Bei einzelnen Forschungsclustern wurde die Qualität der beteiligten Wissenschaftler sowie die Themenwahl und die geplante Einbindung der Industrie positiv gewürdigt. Aber der Mehrwert, den ein Forschungscluster für eine Uni an interdisziplinärer Zusammenarbeit bringen solle, sei nur unzureichend dargestellt worden. Die Kohärenz der Forschungsprogramme hätten die Gutachter bezweifelt.

Die Vizepräsidentin bewertete die Kritik in Teilen als berechtigt. Dann holte sie zur Gegenkritik aus: Das letzte Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft „fällt der Technischen Universität immer wieder auf die Füße“, sagte Woggon, womit sie implizierte, die Gutachter könnten voreingenommen gewesen sein.

Präsident Steinbach forderte die TU auf, binnen der nächsten zwei Monate ein strategisches Konzept zu entwickeln, wie sich die Uni in der Zukunft aufstellen wolle. „Eine reine Orientierung am DFG-Ranking wäre für die TU auch nicht der richtige Weg.“ Steinbach begründete das damit, dass die TU bei der Einwerbung von Drittmitteln besonders in der angewandten Forschung erfolgreich sei, während die DFG die Drittmittel in der Grundlagenforschung in den Vordergrund rücke. Im Übrigen bezeichnete Steinbach das Abschneiden beim Europäischen Forschungsrat – wo die TU sehr erfolgreich war – in seiner Aussagekraft als genauso wichtig wie einen DFG-Erfolg.

Der Zufall wollte es so, dass die kritische Darstellung der Gutachter mit der Verabschiedung des Leitbildes der TU zusammenfiel. Nach acht Jahren Diskussion wurde das Leitbild einstimmig gebilligt. Bereits die Präambel beginnt mit dem Satz: „Die TU Berlin ist eine traditionsreiche und weltweit anerkannte Forschungsuniversität.“ Uwe Schlicht

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