Zentrum für Antisemitismusforschung : Streit um Nachfolge

Der langjährige Direktor des renommierten Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU, Wolfgang Benz, geht. Um das Berufungsverfahren für die Nachfolge gibt es Streit.

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An der Technischen Universität Berlin wird in diesen Tagen über die Nachfolge von Wolfgang Benz entschieden. Der langjährige Direktor des renommierten Zentrums für Antisemitismusforschung geht im Herbst in den Ruhestand. Unter den sieben bekannt gewordenen Bewerbern gelten drei als besonders aussichtsreich: Stefanie Schüler-Springorum, Direktorin des Hamburger Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, Peter Longerich, Historiker an der University of London und bis 2008 Direktor des dortigen Holocaust-Forschungszentrums, und Constantin Goschler, der den Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum innehat. Alle drei seien hoch qualifiziert für die Leitung des Berliner Zentrums, heißt es in Historikerkreisen.

Ein Kritiker des Zentrums für Antisemitismusforschung vermutet allerdings, dass die Einrichtung einer eigenen Mitarbeiterin zu dem Posten verhelfen will. Im Kreis der sieben Bewerber, die die Berufungskommission im Februar zu universitätsöffentlichen Vorträgen eingeladen hatte, ist auch Angelika Königseder, ZfA-Mitarbeiterin seit 1996. Dies sei eine Hausbewerbung, die aber verschleiert werden sollte, schreibt der Hamburger Politikwissenschaftler und Publizist Matthias Küntzel auf seiner Homepage. Königseder firmiere im Bewerbungsverfahren als Mitarbeiterin eines „Instituts für Vorurteils- und Konfliktforschung“ und damit als externe Bewerberin. Vorsitzender des Vereins, der das 2002 gegründete Institut trägt, sei zudem Wolfgang Benz.

Das ZfA weist den Vorwurf zurück. Königseder sei seit 2003 bei dem Verein beschäftigt, weil sie aufgrund des Verbots von Kettenverträgen nicht mehr wissenschaftliche Mitarbeiterin der TU sein konnte, sagt Wolfgang Benz. Den Verein habe er 2002 gegründet, um einen anderen Mitarbeiter aufzufangen. Königseder werde nicht von der TU bezahlt, sondern aus Drittmitteln. Insofern würde es sich formal nicht um eine Hausberufung handeln, dies habe das ZfA vor Königseders Bewerbung vom Rechtsamt der TU klären lassen. Aber selbst eine Hausberufung sei an der Universität kein Problem, wenn der Kandidat oder die Kandidatin herausragend für die Stelle qualifiziert ist.

Er nehme keinen Einfluss auf die Berufungskommission, sagt Benz. Er könnte sich alle Bewerber, die noch im Rennen sind, gut als Nachfolger vorstellen. Den Vorwurf Küntzels sieht Benz im Zusammenhang mit einer „Kampagne“ gegen das ZfA. Küntzel untersucht insbesondere judenfeindliche Einstellungen im Islam und hat das Zentrum mehrfach öffentlich für den Vergleich von Antisemitismus und Islamfeindschaft kritisiert.

„Wir bürgen für ein sauberes Verfahren“, sagt TU-Sprecherin Stefanie Terp. Sie verweist auf externe Experten in der Berufungskommission, die von Werner Bergmann geleitet wird, neben Benz dem zweiten Professor am ZfA. Die TU sei sich der großen Bedeutung des Zentrums bewusst, sagt Terp.

Berliner Historiker machen sich unterdessen aus einem anderen Grund Sorgen um das ZfA. Weil mit den grundständigen geisteswissenschaftlichen Studiengängen an der TU auch die Geschichte abgewickelt wird, fehle dem Zentrum die studentische Basis. Geplant ist allerdings ein Masterstudiengang zu Antisemitismus- und Vorurteilsforschung. Amory Burchard

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