Zoologie : Rückkehr der Drachen

Von wegen Artenschwund: Zwei Spezies und eine Unterart der Bindenwarane sind auf den Philippinen entdeckt worden.

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Aus dem Versteck. Varanus palawanensis, eine neue Waranart.
Aus dem Versteck. Varanus palawanensis, eine neue Waranart.Foto: Ingo Langlotz

Während Naturschützer im Jahr der Biodiversität 2010 einen massiven Schwund der Arten auf der Erde beklagen, gibt es Zuwachs bei den Waranen. Das melden André Koch und Wolfgang Böhme vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander König in Bonn und Maren Gaulke von der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität. Zu den drei bekannten Bindenwaran-Arten auf den Philippinen fügten sie noch Varanus palawanensis und V. rasmusseni sowie die Unterart V. cumingi samarensis hinzu. Allerdings sind diese Arten nicht neu aufgetaucht, sondern wurden bisher glatt übersehen.

Wie aber ist es möglich, immerhin zwei Meter lange und zehn Kilogramm schwere Echsen einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen? Die Forscher hielten Bindenwarane auf verschiedenen Inselgruppen der Philippinen für Individuen einer einzigen Art. Erst als Koch Warane in Museen genauer untersuchte und Gaulke die Bindenwarane in der Natur aufspürte, entdeckten sie auf einzelnen Inselgruppen unterschiedliche Arten.

Dazu mussten sie aber genau hinschauen und zum Beispiel die „Schuppenwerte“ bestimmen. Die Bindenwarane in Südostasien haben nämlich verschieden große Schuppen. Auf der großen Insel Luzon im Norden sind die Schuppen der Echsen relativ groß. Die zu anderen Arten gehörenden Bindenwarane auf der südlich liegenden Insel Borneo, die zwischen den Staaten Indonesien, Malaysia und Brunei aufgeteilt ist, haben dagegen viel mehr, dafür kleinere Schuppen.

Als André Koch nun die Schuppengrößen von Museumstieren anschaute, die von den dazwischen liegenden Inseln Palawan, Bohol, Leyte und Samar sowie Tawi Tawi stammten, lag sowohl die Größe wie auch die Zahl der Schuppen zwischen den Werten von Luzon und Borneo. Außerdem hatten die Echsen auch ganz andere Fleckenmuster und Färbungen. Ein drittes, wieder anderes Muster haben dagegen die Warane auf Bohol, Leyte und Samar. Allerdings ähneln diese Tiere den Bindenwaranen Varanus cumingi auf der unmittelbar südlich liegenden Insel Mindanao so stark, dass sie keine eigene Art, sondern nur eine Unterart von diesen sein können, die auf den wissenschaftlichen Namen Varanus cumingi samarensis getauft wurde.

André Koch kann erklären, wie verschiedene Arten und Unterarten entstanden sind. „Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeiten lag der Spiegel der Weltmeere mehr als 100 Meter tiefer als heute“, erläutert er. Dadurch wuchsen Mindanao, Bohol, Leyte und Samar zu einer großen Insel zusammen, auf der sich die Art Varanus cumingi bildete. Die heute westlich davon liegenden Inseln Panay, Negros und Cebu waren in der Eiszeit ebenfalls zu einer großen Insel zusammengewachsen, die aber von anderen Inseln getrennt blieb. Dort entstand die Art Varanus nuchalis, die schon länger bekannt ist und heute die drei wieder voneinander getrennten Inseln bevölkert. Auch Luzon sowie das mit der kleineren Insel Jolo zusammengewachsene Tawi Tawi waren getrennt, so dass sich eigene Arten entwickeln konnten.

Wenn schon so große Tiere wie Warane lange nicht als eigene Arten erkannt werden, sollten bei kleineren Tieren wie den Insekten wohl noch viel mehr Arten bis heute unbekannt sein, argwöhnen die Forscher. Insgesamt dürfte deshalb die Artenvielfalt auf der Erde noch immer deutlich unterschätzt werden. Auch das Jahr der Artenvielfalt wird an diesem Zustand aus einem einfachen Grund wenig ändern: An den Universitäten gibt es kaum noch Systematiker, die Arten und ihre Unterschiede exakt bestimmen können. An den Museen werden diese Stellen oft nicht wieder besetzt, wenn ein Systematiker wie Jens Rasmussen vom Zoologischen Museum Kopenhagen in Pension geht. Von dort stammen die beiden Museumsexemplare, die nach ihm als Varanus rasmusseni benannt wurden.

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