Zu viele Kinder nicht geimpft : Ausrottung der Masern bis 2020 ist fraglich

Die Zahl der Toten durch Masern ist gesunken. Aber das Ziel der WHO, die Viren bis zum Ende dieser Dekade auszurotten, ist gefährdet.

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Kein Kinderkram. Masern unter dem Elektronenmikroskop. Foto: Hans Gelderblom, RKI
Kein Kinderkram. Masern unter dem Elektronenmikroskop.Foto: Hans Gelderblom, RKI

Schluss. Aus. Ende. 2020 wollte die Welt nun wirklich masernfrei sein. Kein Kind sollte mehr an einem Virus sterben, gegen das es seit 50 Jahren einen wirksamen Schutz gibt. Das Ziel ist nun erneut in Gefahr, berichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO. Zwar werden inzwischen 85 Prozent der Kleinkinder weltweit zumindest einmal gegen Masern geimpft. Doch nur die Hälfte aller Kinder bekommt die zweite Dosis. In Indien, Nigeria, Pakistan, Äthiopien, Indonesien und der demokratischen Republik Kongo sind mehr als 60 Prozent der Kinder gar nicht gegen Masern geimpft. Große Ausbrüche in China, den Philippinen und Vietnam, Angola, Äthiopien, Indien, Russland und Somalia untergraben zusätzlich den erreichten Fortschritt.

17,1 Millionen Menschenleben gerettet

Dabei kann sich dieser durchaus sehen lassen: Die Zahl der Maserntoten sank von 546 800 im Jahr 2000 auf 114 900 im Jahr 2014. Das sind 79 Prozent weniger, angestrebt waren 95 Prozent. Insgesamt haben die Impfkampagnen 17,1 Millionen Leben gerettet, errechneten WHO und die Masern- und Röteln-Initiative. Trotzdem sterben immer noch Hunderte Kinder pro Tag an den Komplikationen der Masern-Infektion – insbesondere unterernährte Kinder, die ein schwaches Immunsystem haben, sind von Erblindung, Gehirnentzündungen, schweren Durchfällen, Ohr- und Lungenentzündungen bedroht. „Das ist eine Tragödie, die leicht verhindert werden kann“, sagt Robert Linkins von der US-Seuchenschutzbehörde CDC.

Nord-, Mittel- und Südamerika bleiben Vorreiter. Im Jahr 2014 gab es dort nur 1817 Fälle. Europa verzeichnete dagegen 14 176 Fälle, allein im Bundesland Berlin erkrankten während des Masernausbruchs 2014/ 2015 fast 1360 Menschen – vom Baby bis zum 77-Jährigen. Jeder vierte Infizierte musste ins Krankenhaus, ein kleiner Junge starb. Die Masern wurden 2014 aus Bosnien-Herzegowina importiert und konnten sich wegen zu geringer Impfquoten unter jungen Erwachsenen in der ganzen Stadt verbreiten,

Extrem ansteckendes Virus

Kaum ein anderes Virus ist so ansteckend wie die Masern. Jedes Gespräch, jedes Husten und Niesen ist für sie wie ein Sprungbrett ins Freie. 90 Prozent der Ungeimpften, die diese Luft einatmen, werden selbst krank. „Die Masern sind in den Ländern, die wir unterstützen, wie ein Kanarienvogel in der Kohlengrube“, sagt Seth Berkley, der Chef der Impfallianz Gavi. „Sobald die Impfraten fallen, gibt es einen Ausbruch.“ Dann helfe es nicht, einfach eine Impfkampagne zu wiederholen. Vielmehr müsse man darüber nachdenken, wie man die Kinder erreicht, die zuvor durch das Raster fielen – aus welchen Gründen auch immer.

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