Zukunft der Gesundheit : Kompetenzen bündeln

Vier neue Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung nehmen die Volkskrankheiten ins Visier.

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Die deutsche Gesundheitsforschung kann auf große Namen und große Leistungen zurückblicken, die den Alltag in der Medizin entscheidend verändert haben. Bereits 1929 hat der Chirurg Werner Forßmann, ein Mitarbeiter von Ferdinand Sauerbruch, im Selbstversuch den Herzkatheter erprobt. 1956 bekam er dafür den Nobelpreis. Bei der Erforschung der Infektionskrankheiten erzielten Forscher wie Robert Koch (Nobelpreis 1905), Emil von Behring (Nobelpreis 1901) und Gerhard Domagk (Nobelpreis 1939) bahnbrechende Ergebnisse. In der Erforschung der Lungenkrankheiten haben sich vor allem Johann Lukas Schönlein, Robert Koch und Ferdinand Sauerbruch hervorgetan. Auch in der Krebsforschung haben deutsche Wissenschaftler Herausragendes geleistet, dafür stehen Namen wie Rudolf Virchow, Paul Ehrlich und in jüngerer Zeit Georges J.F. Köhler und Harald zur Hausen, beide auch Nobelpreisträger. Dies sind nur einige Namen, die für herausragende Ergebnisse auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung stehen.

An diese Tradition will die Bundesregierung mit der Förderung der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung anknüpfen. Die Deutschen Zentren für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und für Diabetesforschung (DZD) wurden bereits 2009 gegründet, jetzt wurden vier weitere gestartet. Es sind Zentren unter einem virtuellen Dach, die die Kompetenz in den einzelnen Disziplinen bündeln und vernetzen. An 27 Standorten mit mehr als 100 Hochschulen, Universitätsklinika und außeruniversitären Forschungseinrichtungen werden nach internationaler Begutachtung hochqualifizierte Wissenschaftler interdisziplinär forschen. „Wir wollen neue medizinische Forschungsergebnisse schneller in die Krankenhäuser und in die Arztpraxen bringen, zum Wohl aller Patientinnen und Patienten“, sagte Forschungsministerin Annette Schavan im April. „Die Zentren sind das Herzstück des kürzlich verabschiedeten Rahmenprogramms Gesundheitsforschung der Bundesregierung.“ Für die Errichtung und Etablierung dieser vier neuen Zentren werden von 2011 bis 2015 rund 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) versammelt 120 Experten an sieben Standorten, damit können auch gößere klinische Herz-Kreislaufstudien initiiert werden. Ziel des Zentrums ist es auch, jungen Wissenschaftlern Forschungs- und Fortbildungsmöglichkeiten zu bieten.

Elf Schwerpunkte setzt sich das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und führt so die Kompetenz von sieben Standorten und 150 Wissenschaftlern zusammen, um der Fragmentierung der Forschung entgegenzuwirken. Gerade die Nutzung von Hochsicherheitslabors für alle Partner des Zentrums erhöht die Effektivität der Forschung.

Große Fortschritte in der Lungenforschung erhoffen sich die Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) mit 170 Wissenschaftlern an fünf Standorten.

An acht Standorten werden künftig 160 Wissenschaftler im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) vereint, um in einem intensiven Austausch interdisziplinär zusammenzuarbeiten. Die Komplexität der Materie erfordert es, Kompetenzen zu bündeln. Andere Länder machen das bereits vor. Die großen Zentren in den USA zählen zum Teil 10 000 Mitarbeiter. Mit den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung soll unter Wahrung der föderalen Strukturen eine effizientere Forschung vorangetrieben werden.

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